Senioren trommeln für eine hohe Beteiligung bei der Wahl

Bei mehreren Veranstaltungen, so wie hier am 13. März in der Begegnungsstätte an der Falckensteinstraße, hatten Interessierte die Möglichkeit, sich über die Wahl zur Seniorenvertretung und die Kandidaten zu informieren. (Foto: Thomas Frey)
 
Die meisten der 34 Bewerberinnen und Bewerber für die Wahl zur Seniorenvertretung im Bezirk. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Vom 27. bis 31. März finden in Berlin die Wahlen zur Seniorenvertretung statt. Beteiligen können sich alle Einwohner, die 60 Jahre und älter sind. Wer sind die Kandidaten in Friedrichshain-Kreuzberg? Und welche Aufgaben hat die Seniorenvertretung? Hier gibt es Antworten, nicht nur auf diese Fragen.

34 Bewerber: Zur Wahl stehen im Bezirk 34 Kandidatinnen und Kandidaten. Der Jüngste ist gerade 60 Jahre alt geworden, die Älteste ist 93. Die Liste ist mit je 17 Frauen und Männern punktgenau paritätisch besetzt. Darunter sind Menschen mit und ohne sogenanntem Migrationshintergrund.

Die Vielfalt zeigt sich auch an den früheren Berufen. Vertreten sind zum Beispiel Handwerker, Kaufmänner und -frauen, Ingenieure, Pädagogen, Chemiker, Sozialarbeiter, Betriebswirte, eine Altenpflegerin, eine Hebamme und eine Informatikerin. Einige haben bereits in der Seniorenvertretung mitgearbeitet, viele treten aber zum ersten Mal an.

Informationen: Portraits aller Bewerber finden sich in einer Broschüre, die das Seniorenamt zur Wahl herausgegeben hat. Sie ist in den Bürgerämtern, Stadtteil- und Seniorenzentren und Bibliotheken kostenlos erhältlich und außerdem über die Website www.berlin.de/wahl-seniorenvertretung-2017-fkverfügbar.

Unterschiedliche Interessen: So verschieden wie die Herkunft und der berufliche Werdegang sind auch die Fachgebiete, denen sich die Kandidaten in der Seniorenvertretung widmen wollen. Bei der letzten Vorstellungsveranstaltung am 13. März nannten viele das Thema Wohnen als wichtiges Anliegen. Dazu gehören nicht nur steigende Mieten, sondern auch Barrierefreiheit und insgesamt neue Wohnmodelle oder die Frage, wie ältere Menschen leichter von einer größeren in eine kleinere Wohnung umziehen können, ohne dabei draufzahlen zu müssen. Ebenfalls häufig erwähnt wurde die soziale Situation der Senioren, Stichworte waren geringe Renten und Grundsicherung. Nicht nur in diesem Zusammenhang spielte auch mehr Teilhabe eine Rolle, zum Beispiel durch ermäßigten Eintritt in Theater, Kinos und Museen.

Auch der Verkehr steht auf der Agenda weit oben. Wann haben alle U-Bahnhöfe in Friedrichshain-Kreuzberg einen Aufzug? Wo müssen weitere Zebrastreifen oder Ampeln eingerichtet werden? Auch ob es genügend Sitzbänke im Bezirk gibt, gehört in diese Kategorie.

Es kamen aber auch neue Ideen, auf welchen Feldern die Seniorenvertretung künftig aktiv werden könnte. Sie oder ihre Zielgruppe sollte sich verstärkt um Mittel für Projekte aus der Bürgerjury bemühen und weitere Vertreter in das Vergabegremium entsenden, war ein Vorschlag. Ein anderer regte an, die Senioren dort abzuholen, wo sie sich häufig aufhalten, "beim Einkaufen, an der Bushaltestelle, in der Straßenbahn oder im Amt". Denn viele würden eben nicht den Weg in die Freizeitstätten finden.

Geht zur Wahl! Um Ansprache geht es auch aktuell. Es sollen so viele Senioren wie möglich zur Teilnahme an der Wahl bewegt werden. Bei der Abstimmung vor fünf Jahren gaben sowohl in Berlin als auch in Friedrichshain-Kreuzberg nur rund ein Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Dieser Wert müsse sich entscheidend erhöhen, waren sich alle Kandidaten einig. Denn nur dann habe die Seniorenvertretung wirklich die Macht, um lautstark für die Interessen ihrer Altersgruppe einzutreten und sie auch durchzusetzen.

Immerhin, die Voraussetzungen dafür haben sich verbessert. Zum ersten Mal gab es die Möglichkeit der Briefwahl, für die bis 11. März die Anträge eingereicht werden mussten. Alle potentiellen Wähler wurden auch benachrichtigt. Im Bezirk sind das etwa 36 000 Über-60-Jährige. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle.

Außerdem hat gerade das Amt für Stadtteil- und Seniorenangebote in Friedrichshain-Kreuzberg sehr stark für die Wahl geworben. Mehrfach haben sich die Bewerber öffentlich präsentiert. Es gibt die genannte Broschüre ebenso wie weitere Offline- und Online-Angebote, einschließlich Audiodateien sowie Informationen auch in türkischer und arabischer Sprache. Alles kann über die oben genannte Webadresse abgerufen werden.

Was können Senioren bewegen? Die Seniorenvertretung hat einige Rechte. Sie ist Ansprechpartner für die Verwaltung, wenn es um die Belange älterer Menschen geht. Ein Mal im Jahr findet das Seniorenparlament statt, bei dem das Bezirksamt Rede und Antwort steht und mit vielen Anliegen konfrontiert wird. Und vor allem haben die Mitglieder des Gremiums Anspruch auf einen Sitz in jedem Ausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), wenngleich bisher kein Stimmrecht. Ein Votum dort auch für die Generation 60plus soll deshalb eine Forderung der neuen Seniorenvertretung sein. tf


So läuft die Seniorenwahl:

Bei der Wahl zur Seniorenvertretung hat jeder Wahlberechtigte zehn Stimmen, die er auf die 34 Kandidaten verteilen kann. Es können auch weniger Stimmen vergeben werden, aber nicht mehr.

Gewählt wird zwischen Montag, 27. und Freitag, 31. März in täglich wechselnden Wahllokalen:

27. März: Nachbarschaftstreff "Wir im Kiez", Koppenstraße 62,

28.März: Vivantes Haus "Vier Jahreszeiten", Büschingstraße 29,

29. März: Begegnungsstätte "Lebensfreude", Kadiner Straße 1,

30. März: Begegnungsstätte "Mehringkiez", Friedrichstraße1.

31. März: Begegnungsstätte Falckensteinstraße 6.

Geöffnet ist jeweils von 10 bis 15 Uhr.

Die Stimmen werden am Montag, 3. April, ab 9 Uhr im BVV-Saal des Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11, ausgezählt. Sollte dieser Tag nicht ausreichen, gilt das auch für Dienstag, 4. April. Die Ergebnisse werden spätestens eine Woche nach der Wahl in Einrichtungen wie Stadtteilzentren und Bibliotheken ausgehängt sowie im Internet veröffentlicht.

Spätestens zwei Wochen nach der Abstimmung tritt die neugewählte Seniorenvertretung zusammen. Sie kann aus bis zu 17 Mitgliedern bestehen.
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