Verwaltungsjob mit Verantwortung

Nachwuchs, auf den der Bezirk setzt. Die Beschäftigten des Ausbildungsbürgeramts mit Stadtrat Knut Mildner-Spindler. Foto: Frey

Friedrichshain-Kreuzberg. Julia (19) und Alexander (21) waren voll des Lobes. Die Arbeit mache ihnen großen Spaß, schon weil sie direkt in der Praxis gefordert seien. Auch die Betreuung an den Teamtagen sei optimal. Auf dem Lehrplan stehen alltägliche Probleme, aber auch Englisch oder interkulturelle Kompetenz.

Die beiden gehören zu der neunköpfigen Gruppe, die seit Ende April im Ausbildungsbürgeramt des Bezirks in der Schlesischen Straße 27 tätig ist. Die Lehrlinge stemmen dort den Betrieb und scheinen schnell Routine entwickelt zu haben. Der Antrag für einen neuen Pass, von Julia bearbeitet, verlief ohne Probleme. Sie brauchte dafür höchstens die halbe Zeit der eigentlich veranschlagten 20 Minuten.

Das Ausbildungsbürgeramt war eigentlich ein aus der Not geborenes Kind. Es sollte den Standort in der Schlesischen Straße nach zeitweiliger Schließung wegen Personalmangel wieder reaktivieren. Inzwischen entwickelt sich daraus eine Art Vorzeigeprojekt, mit dem der Bezirk für eine optimale Betreuung seines Nachwuchs wirbt.

Die Reklame in eigener Sache ist dringend nötig. Denn nicht nur wegen der bisherigen Stellenkürzungen wird die Verwaltung ausgedünnt. Allein durch natürliche Fluktuation, sprich Erreichen der Altersgrenze, scheiden bis zum Ende des Jahrzehnts 159 Mitarbeiter im gehobenen Verwaltungsdienst aus. Sie zu ersetzen sei nicht einfach, sagt Katjana Brennecke vom Personalservice. Deshalb versuche der Bezirk mit verschiedenen Angeboten, die Lücken in der Personaldecke zu füllen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Verwaltungsstudenten wird zum Beispiel eine begleitende Ausbildung im Bezirksamt angeboten. Deren Einsatz soll auch bezahlt werden. Aber nicht nur deshalb, sondern schon durch das Kennenlernen ihres vielleicht künftigen Arbeitsplatzes wird erhofft, dass sich zumindest einige für eine dauerhafte Anstellung entscheiden.

Ähnliches gilt für Trainees. Die haben ihr Studium bereits abgeschlossen und sollen danach auf freien Stellen platziert werden. Dazu räumt der Bezirk bisherigen Beschäftigten des Mittleren Dienstes die Möglichkeit ein, sich fortzubilden und für einen höher dotierten Posten zu qualifizieren.

Eile ist schon deshalb nötig, weil in Zukunft mit noch härterer Konkurrenz um die Fachkräfte zu rechnen ist. Schon jetzt würden viele fähige Mitarbeiter von den Senatsverwaltungen abgeworben, erklärt Katjana Brennecke. Denn gerade dort sei die Ausbildung bisher vernachlässigt worden. Aber auch die Bezirksverwaltungen wildern gerne im fremden Revier.

Dagegenhalten will Friedrichshain-Kreuzberg außer mit Angeboten zur Aus- und Weiterbildung auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Dafür stehen zum Beispiel Julia Weis und Dr. Boryano Rickum. Beide teilen sich die Leitungsstelle im Bibliotheksamt. „Wir haben uns im Doppelpack für diesen Posten beworben, konnten aber nicht davon ausgehen, dass wir damit gute Chancen haben“, sagt Julia Weis. Umso erfreuter seien sie über die Zusage gewesen. Denn das Jobsharing sei genau das gewesen, was sie und ihr Kollege sich für ihrer derzeitige Lebenssituation gewünscht hätten.

Auch Christoph Weist ist als Verantwortlicher des Hochbauservices auf einer Chefposition eingestiegen. Er ist allein in diesem Jahr für Bauarbeiten in einer Gesamthöhe von rund 30 Millionen Euro verantwortlich. Gerade diese Mammutaufgabe habe ihn gereizt, sagt Weist, der vorher in der Privatwirtschaft tätig war. Auf weitere Quereinsteiger hofft der Bezirk auch aktuell. Und das nicht nur beim Hochbauservice.

Anbieten kann er den Mitarbeitern nicht unbedingt eine üppige Bezahlung. Auch die Aussicht auf einen schnellen Aufstieg ist häufig begrenzt. Gepunktet werden soll vielmehr mit einem krisensicheren Arbeitsplatz und einem guten Betriebsklima. Zudem wird die Tätigkeit im engen Kontakt mit der Bevölkerung hervorgehoben.

Gerade das gefällt vor allem den Azubis im Bürgeramt. Manche andere Bewerber werden aber anscheinend durch die Aussicht auf unmittelbare Nähe zu ihren eigentlichen Arbeitgebern – den Steuerzahlern – eher abgeschreckt. tf
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