Würdigung eines LSBTI-Repräsentanten muss warten

Friedrichshain-Kreuzberg. Der Antrag der SPD-Fraktion, eine Straße oder Platz im Bezirk nach einer sogenannten LSBTI-Person zu benennen, lässt sich zumindest aktuell nicht verwirklichen.

LSBTI steht für Lesbisch, Schwul, Bi-, Trans- oder Intersexuell. Die Persönlichkeit muss allerdings schon fünf Jahre verstorben sein, nur dann ist eine Würdigung erlaubt. Aber das ist nicht das Hauptproblem.

Vielmehr werden in absehbarer Zeit in Friedrichshain-Kreuzberg keine neuen öffentlichen Straßen angelegt. Lediglich auf dem Baufeld der Möckernkiez-Initiative an der Möckern-/Ecke Yorckstraße sind zwei Verbindungen geplant, die sich allerdings auf einem privaten Grundstück befinden. Das Projekt ruht aber wegen finanzieller Schwierigkeiten. "Die haben gerade andere Sorgen, als sich mit möglichen Straßennamen zu beschäftigen", fand dann auch Kulturstadträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Grüne).

Eine vorhandene Straße umzubenennen stieß auf Bedenken in der Gedenktafelkommission. Vorstellbar wäre das nur bei jemandem, der völlig diskreditiert sei. Zwar gibt es im Bezirk noch einige Namensgeber, die, vor allem im Rückblick, nicht gerade als Ausbund demokratischer oder menschenfreundlicher Gesinnung gelten. Aber eben kein Extrembeispiel wie etwa vor einiger Zeit in Steglitz. Dort sollte die Treitschkestraße, benannt nach dem antisemitischen Historiker Heinrich von Treitschke, verschwinden. Anwohnerproteste verhinderten das. In Friedrichshain-Kreuzberg wäre die Umbenennung wahrscheinlich durchgesetzt worden. Ärger mit Anwohnern wird aber auch hier als ein weiterer Grund angegeben, warum der SPD-Vorstoß erst einmal auf Eis liegt. Denn die Betroffenen müssten dann ihre Adressen ändern. Um sie davon zu überzeugen, bräuchte es aber gute Argumente.

Sollten allerdings irgendwo im Bezirk Bewohner eine Initiative starten und eine LSBTI-Person als Namensgeber ihrer Straße haben wollen, könne darüber noch einmal geredet werden.

Ende 2014 scheiterte schon ein anderer Vorschlag für eine Würdigung im öffentlichen Raum. Gefordert wurde damals, eine Straße nach einem führenden Mitglied der DDR-Opposition zu benennen. Auch das wurde mit der Begründung zurückgewiesen, es gebe aktuell keine neuen Straßen.


Thomas Frey / tf
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