40 Jahre "Die Legende von Paul und Paula"

Die Singerstraße heute. Paulas Haus befand sich rechts hinter den Bäumen. Paul wohnte gegenüber im Hochhaus. (Foto: Frey)
 
Paul und Paula in der Rummelsburger Bucht. (Foto: Progress Film-Verleih/Norbert Kuhröber)

Friedrichshain. Noch wenige Stunden vor Beginn war unklar, ob die Vorstellung überhaupt stattfindet. Und selbst wenn, ob ihr weitere folgen werden. Beides war der Fall. Denn die Genehmigung kam von ganz oben.

Deshalb erlebte das Kosmos-Kino an der Karl-Marx-Allee am 29. März 1973 die Premiere des bis heute bekanntesten DDR-Films "Die Legende von Paul und Paula". 40 Jahre ist das jetzt her. Aber die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Paula, Pfandflaschenannehmerin in der Kaufhalle und dem Bürokratie-Karrieristen Paul hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Noch immer ist diese besondere Liebesgeschichte ohne Happy End regelmäßig in den Kinos zu sehen. So wurde die Legende von Paul und Paula längst eine eigene Legende.Der Film ist auch eine Art Momentaufnahme des damaligen Friedrichshains. Hier spielt die Handlung und wurden die meisten Außenszenen gedreht. Paula wohnt in der Singerstraße in einem Altbau. Der ist schon lange verschwunden, auf einem Teil des Grundstücks entstand ein inzwischen leer stehender Supermarkt. Ganz neu waren damals die Hochhäuser auf der gegenüber liegenden Straßenseite. In einem von ihnen lebt Paul mit Frau und Kind.

Mit den Veränderungen im Wohnquartier zwischen Ostbahnhof und Karl-Marx-Allee beginnt auch der Film. In den ersten Bildern ist die Sprengung einer Häuserzeile an der Straße der Pariser Kommune zu sehen. Wir begegnen Paul und Paula auf der Warschauer Brücke oder auf dem Bunkerberg im Volkspark. Eine Traumsequenz spielt in der Rummelsburger Bucht. Dort gibt es heute ein Paul- und Paula-Ufer. Und wo die Handlung vor allem angesiedelt ist, wird spätestens dann klar, wenn Paula an der Kasse der Kaufhalle das Lied "In Berlin, im schönen Friedrichshainchen..." anstimmt.

Dass die Premiere im Kosmos stattfand, war allerdings weniger dem Lokalkolorit geschuldet. Sondern einfach deshalb, weil das damalige Filmtheater an der Karl-Marx-Allee über den größten Saal verfügte.

Regisseur Heiner Carow hat in der gesamten Republik nach einer geeigneten Paula-Darstellerin gesucht. Hunderte Frauen aus Schulen und sozialistischen Betrieben wurden gecastet.

Angelika Domröse, die dann die Hauptdarstellerin wurde, passte Carow zunächst gar nicht. Er fand sie mit Anfang 30 schon zu alt für die Hauptrolle und außerdem musste seine Paula von der Straße kommen. "Sag ich doch", entgegnete ihm die Domröse. "Und ob ich von der Straße komme."

Auch Winfried Glatzeder als männlicher Hauptdarsteller war eigentlich schon aus dem Rennen. Bis Carow Probeaufnahmen von ihm und Domröse machte und wusste, hier hatte er Paul und Paula gefunden.

Bleibt noch die Filmmusik. Sie beförderte für die Karriere der Puhdys enorm. Legendär der Einsatz von "Wenn ein Mensch lebt" als Untermalung für die einstürzenden Altbauten. Dabei gab es gerade um dieses Lied einige Bauchschmerzen. Es erinnerte ziemlich stark an den Bee Gees-Klassiker "Spicks and Specks". Von eventuellen Plagiatsvorwürfen der britisch-australischen Popmusiker ist allerdings nie etwas bekannt geworden.

Die Legende wurde zu einem riesigen Publikumserfolg. Nicht unbedingt den sozialistischen, aber ihren täglichen Realismus sahen viele Besucher hier abgebildet. Der Film verschwand erst vom Spielplan, als Angelica Domröse und Winfried Glatzeder in den Westen ausreisten. Auch in der Bundesrepublik wurde er gezeigt. Und nach der Wende erlebte Paul und Paula eine Renaissance, die noch immer anhält.

Warum das so ist? Vielleicht, weil dieser Film sowohl für eine bestimmte Zeit steht und trotzdem zeitlos ist. Weil er eine Geschichte erzählt, die überall verstanden wird. Und das seit 40 Jahren.

Zum Jubiläum zeigt das Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30 in Mitte "Die Legende von Paul und Paula" am 29. März um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 30. März um 18 und am 2. April um 20 Uhr. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Thomas Frey / tf
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