Anwohner fühlen sich wie in einem rechtsfreien Raum

Betrunkene Touristen werden auf diesem Protestplakat in der Simon-Dach-Straße als Hauptübeltäter des Straßenlärms ausgemacht. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Wer vor allem an den Wochenenden rund um die Watschauer Brücke unterwegs ist, stößt auf viele Menschen, die dort unterwegs sind, durch die Kneipen ziehen oder auf der Straße Party machen.

Sehr zum Leidwesen der Anwohner, die sich dadurch um ihren Schlaf gebracht sehen. Nachbarn vor allem aus der Simon-Dach- und Revaler Straße machten am Montag vergangener Woche bei einer Bürgerversammlung im Cassiopeia auf dem RAW-Gelände ihrem Ärger Luft.Angeführt wurde der Protest von Carola Ludwig, die bereits seit Jahren gegen die Feiermeile zu Felde zieht. Eine unerträgliche Situation sei das, die an die Substanz gehe, klagt die Frau. "Ein Zimmer meiner Wohnung kann ich schon gar nicht mehr nutzen." Und neben dem Krach gebe es auch weitere unliebsame Begleiterscheinungen, wie Schlägereien, Alkoholleichen und vor allem Müll und Dreck. "Wir haben auch genug davon, dass unsere Hauswände als Toiletten missbraucht werden", bekräftigte eine andere Rednerin. Fazit nicht nur von Carola Ludwig: "Wir leben in einem rechtsfreien Raum".

Zornig macht die Betroffenen auch, dass die Polizei ihrer Meinung nach zu wenig eingreift. Wenn man die Beamten alarmiere, dauere es oft eine Ewigkeit, bis sie vor Ort seien. Die Verursacher des Krachs ließen sich dann meist nicht mehr ermitteln.

Die konkret festzumachen fällt aber auch sonst nicht leicht. Im Visier sind natürlich zunächst die vielen Kneipen und Veranstaltungslokale, wo es häufig bis spät in der Nacht Betrieb im Freien gibt. Einige dieser Lokale wurden inzwischen auch dem Ordnungsamt gemeldet. Aber schon bei der Frage, wer jetzt wirklich die schlimmen Übeltäter sind, gingen die Meinungen auseinander. Und mehr noch als die Gaststätten seien die Spätkaufläden das Problem, fanden weitere Redner.

Noch schwieriger ist es unter dem zahlreichen Straßenpublikum die Lärmmacher herauszufischen. Darauf verwies Hartwig John vom Polizeiabschnitt 51. "Gegen wen sollen wir bei mehreren hundert Menschen vorgehen?", fragte er. John riet den Betroffenen, jedes Delikt sofort zur Anzeige zu bringen.

Das Ordnungsamt sei für die Lärm- und sonstigen Probleme nicht nur in diesem Kiez lediglich bis 22 Uhr verantwortlich, machte der zuständige Stadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) erneut klar. Allerdings werde das Amt jetzt bei einigen auffälligen Lokalen vorstellig werden und geplant sei in den kommenden Wochen ein außerplanmäßiger Einsatz in den Nachtstunden.

Ein Ergebnis der Veranstaltung ist die Planung von mehreren neuen Gesprächsrunden, die sich unter Einbeziehung von Gastronomen und Anwohnern um eine Lösung bemühen sollen. Das fand auch den Beifall von Michael Näckel, Repräsentant des Hotel- und Gaststättenverbandes im Bezirk. Näckel brach gleichzeitig eine Lanze für die meisten seiner Kollegen. "Ein Lokalbetreiber ist normalerweise an einer guten Nachbarschaft interessiert. Denn er will seinen Betrieb ohne Ärger führen. Schon im eigenen Interesse."

Näckel erinnerte auch daran, dass es bereits vor einigen Jahren in der nördlichen Simon-Dach-Straße das Lärmproblem in sogenannten Clearingrunden gelöst wurde. Ob das wirklich so ist, wurde allerdings von einigen Besuchern bezweifelt.

Weiter im Gespräch ist auch eine Informationskampagne, die beispielsweise in mehreren Sprachen Einheimische und Touristen auf das Ruhebedürfnis der Anwohner hinweist. In einigen Monaten soll es dann eine weitere große Runde geben.


Thomas Frey / tf
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