Ausstellung zeigt besonderen Blick auf den Ersten Weltkrieg

Notizen aus der Etappe. Bernhard Elsner im Ersten Weltkrieg. (Foto: Copyright: RuDi-Archiv)

Friedrichshain. Friedrichshain-Kreuzberg. Vor 100 Jahren, am 1. August 1914 begann der Erste Weltkrieg. Das vierjährige Gemetzel wird heute allgemein als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts gesehen.

Zum Gedenkjahr sind viele neue Bücher erschienen und beschäftigen sich zahlreiche Ausstellungen mit diesem Thema. Auch im RuDi Kultur und Nachbarschaftszentrum in der Modersohnstraße 55 gibt es eine solche Schau. Sie legt ihren Schwerpunkt allerdings auf den Blick von unten. Wie haben die Hauptbetroffenen, die Soldaten und ihre Familien, diese Zeit erlebt?

Aufschluss darüber geben Briefe und Tagebücher ebenso, wie der Rahmen, in dem dieses Drama begann und der bald aus den Fugen geriet. Ausgedrückt beispielsweise an einem großen Sofa, das beschauliche Behaglichkeit symbolisieren soll. Mit der war es jetzt vorbei.

Zu Hause hatten die Menschen bald mit steigenden Preisen und Lebensmittelknappheit zu kämpfen. Sie führten zu Unterernährung und mangelnder Widerstandskraft. Millionen starben an Hunger oder Krankheiten, wie der spanischen Grippe. In Friedrichshain regte sich dagegen schon gut ein Jahr nach Ausbruch des Krieges Widerstand. Frauen gingen im Oktober 1915 gegen den Wucher bei den Waren ihres täglichen Bedarfs auf dem Markt am Boxhagener Platz auf die Barrikaden. Der Aufruhr ist als "Friedrichshainer Butterkrawalle" zumindest in die lokale Geschichte eingegangen. Was sie von der Front erfuhren sorgte ebenfalls nicht unbedingt für verstärkten Durchhaltewillen. Im Westen gab es einen vierjährigen Stellungskrieg, bei dem für wenige Meter Bodengewinn tausende von Soldaten geopfert wurden. Die Euphorie, die der Kriegsbeginn teilweise ausgelöst hat, war längst verflogen. Flächendeckend war sie ohnehin nie vorhanden.

Einen Kontrapunkt zu diesen Erfahrungen bildet allerdings die Geschichte von Bernhard Elsner. Elsner, Jahrgang 1877, stammte aus Kreuzberg, wo er zunächst in der Mittenwalder, dann in der Zossener Straße wohnte.

Obwohl er 1914 bereits 37 Jahre alt war, wurde er noch eingezogen. Was wohl damit zu tun hatte, dass er von Beruf Instrumentenbauer und Klavierstimmer war. Deshalb musste Bernhard Elsner auch nicht in den vordersten Linien kämpfen, sondern wurde in der Etappe eingesetzt. Dort hatte er anscheinend für einen anständigen Klang der Pianos in den Offizierkasinos zu sorgen. Und, so legen seine Aufzeichnungen nahe, er ist in dieser Zeit viel herumgekommen.

Bernhard Elsners Kriegserfahrungen unterscheiden sich völlig von denen der meisten Soldaten. Aber sie runden das Bild ab. Nicht nur für jeden Deutschen bedeutete die Zeit zwischen 1914 und 1918 eine tiefe Zäsur im Leben, die sehr lange nachwirkte. Im Fall des Klavierstimmers zeigte sich das drin, dass er später zu einem überzeugten Anhänger der Nazis wurde.

Diesen Einschnitt deutlich zu machen und dabei vor allem auf Einzelschicksale zurückzugreifen sei der Sinn der multimedialem Ausstellung, sagt Kurator Hans-Peter Maus.

Gleichzeitig weist ihr Titel darüber hinweg. Er lautet: "Ein Krieg, ganz aus Versehen?" Bezug genommen wird natürlich auf die heute vielfach zitierte These, die Nationen seien damals in diese Auseinandersetzung "hineingeschlittert", ohne sich der Konsequenzen nur im entferntesten bewusst zu sein. Aber, diese Frage steht natürlich im Raum, gilt das nicht für viele militärischen Konflikte bis heute?

Die Ausstellung wird bis 27. August gezeigt. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 18, Freitag, 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Thomas Frey / tf
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