Bedenken gegen vorgesehenen Standort im Rathaus Kreuzberg

Friedrichshain-Kreuzberg. Im Februar beschloss die BVV, Unisex-Toiletten einzurichten. Als Standort für die geschlechtsneutralen Klos war das Rathaus Kreuzberg vorgesehen. Aber der Umbau, der eigentlich schon Ende Juli abgeschlossen sein sollte, hat noch nicht mal begonnen.

Denn in der Fraktion Bündnis 90/Grüne gibt es inzwischen Bedenken wegen der ausgesuchten Örtlichkeiten.Unisex werden sollten im Rathaus die bisherige Herrentoilette im 2. sowie die für Damen im 3. Stock. Dass vor allem das Frauen-WC allen offen stehen soll, halten einige Grüne für keine so gute Idee: Dieser Abort werde vor allem von den Besucherinnen des Bürgeramtes genutzt. Die fühlten sich möglicherweise belästigt, wenn dort künftig Männer auftauchen. Speziell könnte das für Frauen muslimischen Glaubens gelten.

Konkrete Einwände in dieser Richtung hat es bisher allerdings nicht gegeben. Vielmehr scheint es sich um vorauseilende Befürchtungen zu handeln, die nicht von allen in der Fraktion geteilt werden. "Ich tendiere dazu, den Versuch dort zu starten. Stößt die Toilette auf Ablehnung, kann man das auch noch mal ändern", meinte die Vorsitzende Paula Riester.

Auf jeden Fall geht die Unisex-Debatte damit in eine neue Runde. Schon der Beschluss hatte im Frühjahr sogar für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Eingebracht hatte den Antrag die Fraktion der Piraten. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg gebe es zahlreiche Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann definieren, so die Begründung. Die Lösung deshalb: Ein Pissoir für alle.

Will man dieses Ansinnen erfüllen, muss die Toilette natürlich dort eingerichtet werden, wo sich viel Publikum aufhält. Deshalb war der Standort auf der Bürgeramtsetage eigentlich gut gewählt. Und es bleibt die Frage, wo es sonst im Rathaus noch Unisex-Alternativen gibt. Baustadtrat Hans Panhoff (B’90/Grüne) brachte jetzt die Toiletten der Kantine im 10. Obergeschoss ins Spiel. Aber wahrscheinlich sind auch bei diesem Vorschlag erneute Bedenken nicht auszuschließen.

Damit verkommt das Vorhaben mittlerweile zur Posse. Das scheint auch einigen BVV-Mitgliedern zu dämmern. "Statt Unisex wäre es besser, für Wickeltische in den Toiletten zu sorgen", meinte die Bezirksverordnete Peggy Hochstetter (SPD).


Thomas Frey / tf
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