Bezirk hofft während der WM auf Verständnis

Im Deutschland-Fieber. Für Fußballfans sind während der WM Nachtschichten angesagt. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Vom 12. Juni bis 13. Juli findet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Und damit ist auch wieder das seit der Heim-WM 2006 beliebte Public Viewing angesagt.

Aber natürlich gibt es auch ein paar Leute, die dieses Ereignis völlig kalt lässt. Sie müssen in diesem Jahr besonders stark sein. Denn wegen der Zeitverschiebung mit Brasilien sind bei uns viele Spiele erst am späten Abend zu sehen.

Um trotzdem bei den meisten Partien ein ungestörtes Open-Air-Erlebnis zu ermöglichen, beschloss die Bundesregierung bereits Anfang April den Entwurf einer "Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen bei der Fußball-WM 2014". Ihr hat inzwischen auch der Bundesrat zugestimmt. Kernstück ist, salopp gesagt, eine Verschieben der Nachtruhe von 22 auf 24 Uhr. Es darf länger auf den Straßen laut sein. Allerdings sagt die Verordnung auch, dass abweichende Regelungen der Bundesländer demgegenüber Vorrang haben. So auch in Berlin, wo das Landesimmissionsschutzgesetz die entscheidende Richtlinie ist.

Auch das wird, analog der Vorgaben des Bundes, großzügiger ausgelegt. Public Viewing wird auch hier bis Mitternacht erlaubt. Allerdings müssen vor allem Massenveranstaltungen zuvor um eine Genehmigung nachsuchen. Zuständig dafür ist auch in Friedrichshain-Kreuzberg das Umwelt- und Naturschutzamt. Dort sind bis Ende Mai rund ein Dutzend Anträge eingegangen. Mit dabei seien die großen Public Viewing Standorte, wie das RAW-Gelände oder der Postbahnhof, wo die Fußballzeitschrift Elf Freunde ihr WM-Quartier aufschlägt, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne).

Völlig uneingeschränkt gilt das nächtliche Fußball schauen aber nicht. Bei Spielen, die erst um Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit angepfiffen werden, wird keine Freiluftübertragung erlaubt. Auch soll zwischen zwei Verschiebungen der Nachtzeit in der Regel ein Ruhetag liegen. Ausgenommen davon sind Freitag und Sonnabend, außerdem die beiden Halbfinals sowie das Spiel um den dritten Platz und das Endspiel, die jeweils an darauffolgenden Tagen stattfinden. Klargestellt wurde auch, dass eine Partie, die um 22 Uhr beginnt, um 24 Uhr aber noch nicht zu Ende ist, natürlich weiter geschaut werden kann. Das betrifft die Begegnungen ab dem Achtelfinale, die möglicherweise erst nach Verlängerung oder sogar Elfmeterschießen entschieden werden.

Insgesamt verweist auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf die herausragende Bedeutung der WM. Eine Vorgabe, an die sich der Bezirk gerne orientiert. "Wir setzen auf Verständnis und Toleranz, gerade auch bei denjenigen, die mit Fußball nicht so viel am Hut haben", meint Stadtrat Dr. Peter Beckers (SPD), zuständig für das Ordnungsamt. Was wohl auch heißt, dass die Kiezstreifen nicht gleich Jagd auf jeden Gastwirt macht, der vielleicht seinen Fernseher nicht ganz vorschriftsmäßig aufgestellt hat. Klar sei aber, dass die Situation trotzdem beobachtet werde, erklärt Beckers. Etwa ob es an einer Ecke besonders viele Beschwerden gibt. Allerdings ist das Ordnungsamt dafür ab 22 Uhr ohnehin nicht mehr zuständig, sondern die Polizei.

Auch Baustadtrat Panhoff hofft auf wenig Klagen lärmgestörter Nachbarn. Er hatte bereits vor einigen Wochen gefordert, die Nachtzeit grundsätzlich auf 24 Uhr zu verschieben.

Zumindest bei den Gruppenspielen der deutschen Nationalmannschaft spielt das Thema nächtliches Ausharren beim Public Viewing noch nicht die entscheidende Rolle. Seine erste WM-Partie trägt das Team von Bundestrainer Jogi Löw am Montag, 16. Juni um 18 Uhr gegen Portugal aus. Danach folgt am 21. Juni das Aufeinandertreffen mit Ghana. Anpfiff ist hier zwar um 21 Uhr, aber an einem Sonnabend. Und gegen die USA am Donnerstag, 26. Juni, geht es wieder um 18 Uhr los. Erst danach im Achtelfinale würde es am 30. Juni, beziehungsweise 1. Juli ein 22 Uhr-Spiel geben.


Thomas Frey / tf
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