Bezirksamt soll den Bau neuer Hotels einschränken

Menschen, die Rollkoffer hinter sich herziehen. Ein typisches Bild für Touristen. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Im vergangenen Jahr registrierte Berlin rund 20 Millionen Übernachtungen von Touristen. Mehr als drei Millionen davon entfielen auf die etwa 100 Hotels, Hostels und Pensionen in Friedrichshain-Kreuzberg.

Das bedeutet jeweils eine Spitzenposition. Nur Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf verzeichnen noch mehr Gäste. Es gibt allerdings keinen Ehrgeiz, diese beiden Bezirke in Sachen Bettenangebot noch zu überrunden. Sondern ganz im Gegenteil. Der Bau neuer Herbergen soll künftig erschwert werden.Das fordert ein Antrag der Fraktion Bündnis90/Grüne, der am 23. Oktober in die BVV eingebracht wurde. Immer neuere, größere und billigere Bettenburgen seien schädlich für die Kiezstruktur, meint der Grüne Bezirksverordnete Julian Schwarze. Außerdem könnten kleinere Hotels dem Wettbewerb mit den großen Ketten nicht mehr standhalten und würden verdrängt. Verlangt wird deshalb ein generelles Verbot für weitere Hotels in reinen Wohngebieten. Auch in sogenannten Mischgebieten, also dort, wo es sowohl Wohnquartiere, als auch Gewerbe gibt, sollen sie nur noch genehmigt werden, wenn keine negativen Auswirkungen zu befürchten sind. Etwa mehr Verkehr oder zusätzlicher Lärm. Der Senat wird aufgefordert, für die ganze Stadt einen Hotelentwicklungsplan vorzulegen.

Die Auswirkungen für die Nachbarschaft sind natürlich auch der Hintergrund für den Vorstoß der Bündnispartei. Konkret die Klagen von Anwohnern, die sich durch den Krach der Gäste belästigt fühlen. Besonders im Visier sind dabei vor allem die zahlreichen Hostels, von denen es mit rund 40 nirgendwo so viele gibt wie im Bezirk.

So findet sich auch hier die altbekannte Frontlinie zwischen Einheimischen, die sich um ihren Schlaf gebracht sehen und Berlin-Besuchern, die gerade vom Image des bunten Friedrichshain-Kreuzberg angezogen werden. Eine Auseinandersetzung, die schon regelmäßig in den Kneipenmeilen und Ausgehvierteln geführt wird, etwa im Bergmannkiez oder rund um das RAW-Gelände. Auch hier will der Bezirk eingreifen und würde gerne in manchen Kiezen den Zuzug weiterer Lokale verhindern.

Wenig von den Einschränkungen hält dagegen der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Er verweist unter anderem auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Stadt und sieht in Verboten keine Lösung für mögliche Probleme.

Über den Antrag wird jetzt in mehreren Ausschüssen weiter beraten.


Thomas Frey / tf
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