BUND legt Liste ärgerlicher Fußgängerüberwege vor

Vorne noch Grün, hinten bereits wieder Rot. Der Fußgängerübergang über die Warschauer Straße an der Kreuzung Grünberger Straße. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Zwei Minuten müssen die Passanten warten, bis das Grünzeichen kommt. Nicht einmal die Hälfte dieser Zeit bleibt ihnen, um danach die Magistrale zu überqueren. Viele Fußgänger kommen nur bis zum Mittelstreifen. Manche rennen trotzdem auf die gegenüberliegende Seite. Anderes bleiben stehen und müssen noch einmal zwei Minuten ausharren.

So läuft das an der Ampelkreuzung Frankfurter Allee und Jungstraße in Friedrichshain. Sie gilt deshalb als eine der Fußgänger unfreundlichsten Übergänge in Berlin. Zumindest ist das das Ergebnis eines jetzt veröffentlichten Bürgervotums des Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin (BUND).Der BUND hatte im Juni die Bevölkerung aufgerufen, ihm besonders ärgerliche Ampeln in der Stadt zu melden. Herausgekommen ist dabei eine Liste mit mehr als 200 kritikwürdigen Lichtzeichenanlagen. Davon befinden sich 32 in Friedrichshain-Kreuzberg - neben Mitte die meisten.

Neben der Kreuzung Jungstraße finden sich dort noch andere Übergänge entlang der Frankfurter und Karl-Marx-Allee. Etwa rund um den Strausberger Platz. Auch dort ist ein Passieren in einem Zug höchstens im Sprint möglich. Gleiches gilt in der Warschauer Straße etwa an der Ecke Grünberger Straße. Dort springt die Fußgängerampel zunächst auf der Westseite auf Grün, erst einige Sekunden später folgt das entsprechende Signal auf der Ostseite. Nutzer, die hier die Straße betreten, schaffen es höchstens bis zur Mittelinsel, denn inzwischen ist auf der zweiten Fahrbahnseite schon wieder Rot.

Kreuzberger Ampel-Ärgernisse gibt es vor allem entlang der Yorck- und Gneisenaustraße. Auch hier werden zu geringe Fußgängerintervalle beklagt. Und an vielen Stellen kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn abbiegende Autofahrer in eine Kreuzung einfahren, auf der sich noch Passanten befinden, die, trotz Rotzeichen, die Fahrbahn noch nicht vollständig überquert haben. Etwa am Mehringdamm/Ecke Blücherstraße.

Brenzlig wird es auch, wenn an manchen Stellen der Warteraum für die Fußgänger nicht ausreicht. Ein solches Beispiel ist der U-Bahnhof Kochstraße. Der Nordausgang der Station mündet direkt in die Kreuzung Friedrichstraße, wo es eine Diagonalampel gibt, die jeweils in alle Richtungen entweder Rot oder Grün zeigt. Was wiederum beim Stoppzeichen mit längeren Wartezeiten verbunden ist. Kommen gerade in diesem Moment viele Menschen aus der U-Bahn, gibt es großes Gedränge und manchmal landet auch jemand auf der Fahrbahn.

An solchen Stellen sollten die Räume für die Fußgänger vergrößert werden. Auch zu Lasten der Autofahrer, findet BUND-Verkehrsexperte Martin Schlegel. Außerdem fordert er intelligentere Ampelschaltungen, die sich am jeweiligen Verkehrsaufkommen orientieren.

"Wir müssen alle Nutzer der Straßen berücksichtigen", kontert wiederum Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Neben Fußgängern, Rad- und Autofahrern spiele auch der öffentliche Nahverkehr eine Rolle. Die Kritik an den langen Wartezeiten und der oft kurzen Passierdauer weist sie zurück. "Die Schaltungen sind auf ein langsames Gehtempo abgestimmt." Und selbst wenn auf der Fahrbahn das Rotsignal bereits wieder aufleuchtet, bleibe normalerweise noch genügend Zeit, um die Fahrbahn vollständig zu überqueren.

Um diese Frist auch allen kenntlich zu machen, soll im November in Berlin ein Modellversuch mit sogenannten Blink- oder Countdown-Ampeln gestartet werden. Die Lichtzeichen blinken dann einige Momente auf, ehe sie umschalten, beziehungsweise es werden die Sekunden herunter gezählt, die bis dahin noch verbleiben.


Thomas Frey / tf
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