BVV will Wohnungsbau am Spreeufer als Alternative zu Tempelhof

Das Gelände des Viktoriaspeichers. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Auf dem Tempelhofer Feld werden nach dem Volksentscheid vom 25. Mai keine neuen und preisgünstigen Wohnungen entstehen. Die müssen deshalb woanders in der Innenstadt gebaut werden.

Zumindest in diesem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit unter den BVV-Fraktionen in Friedrichshain-Kreuzberg. Sie machten sich bereits auf die Suche nach möglichen Alternativstandorten im Bezirk.

Zum Beispiel das Viktoriaspeicher-Areal zwischen Köpenicker Straße und Schillingbrücke. Auch wenn an dieser Stelle eigentlich bereits andere Pläne existieren.

Denn noch gibt es dort eine Kaufoption des schwäbischen Immobilienunternehmers Hans-Georg Schimmang. Der hatte im Januar sein Vorhaben vorgestellt, sich dabei aber nicht besonders viele Freunde gemacht. Schimmang will rund 500 Wohnungen im eher hochpreisigen Segment errichten. Einen Anteil an preisgünstigen Appartements lehnte er ebenso ab, wie einen weitgehend öffentlichen Zugang zum Gelände. Punkten wollte er dagegen mit seiner Ankündigung, den benachbarten Chemie-Betrieb mit finanzieller Nachhilfe zu einem Umzug zu bewegen. Denn in der Nähe eines solchen Unternehmens dürfen keine Neubauten entstehen.

Dumm nur, dass gerade diese Zusage noch immer nicht erfüllt ist. Ohne sie gebe es aber kein Baurecht, machte Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) schon vor Wochen deutlich. Dazu kommt, dass die Kaufoption für das Grundstück im Juni abläuft. Es ist bisher noch im Besitz der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft Behala.

Deshalb wittert die BVV die Chance, das ganze Vorhaben zu stoppen. Zumal Herr Schimmang inzwischen selbst mit dem Gedanken zu spielen scheint, von dem Projekt zurückzutreten, wie Stadtrat Panhoff durchblicken ließ. Gleiches könnte auch die Behala machen.

Eine einstimmig angenommene Beschlussempfehlung der Fraktionen Bündnis90/Grüne und SPD verlangt für diesen Fall, dass sich der Bezirk beim Senat dafür einsetzt, für das Grundstück ein sogenanntes Konzeptverfahren durchzuführen. Konkret heißt das, es soll nicht zum Höchstpreis, sondern anhand bestimmter Ziele vergeben werden. Die sollen in Richtung bezahlbare Wohnungen gehen. Als Bauträger wird an Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften gedacht. Eine weitere Forderung ist der öffentliche Zugang zur Spree.

Für den Vorstoß bestehen gerade nach der Tempelhof-Entscheidung gute Chancen, meinen die Initiatoren. Wenn dort aus den vorgesehenen 4700 Wohnungen jetzt nichts wird, müsse zumindest teilweise irgendwo anders Ersatz geschaffen werden. Am Viktoriaspeicher bestehe diese Möglichkeit, da es sich bisher um ein Grundstück einer landeseigenen Gesellschaft handle. Hier könne der Senat also konkret ein Zeichen einer neuen Liegenschaftspolitik setzen. Schimmangs Pläne werden dagegen als "untragbar" abgelehnt.

An dessen Vorstellungen orientiert sich lediglich die mögliche künftige Nutzung des historischen Viktoriaspeichers auf dem Gelände. Der Investor wollte dort eine Markthalle einrichten. Ähnliches planen jetzt die Betreiber der Markthalle Neun in der Eisenbahnstraße. "Wir stoßen inzwischen vor allem als Produktionsstandort an unsere Grenzen", sagte Nikolaus Driessen, einer der Geschäftsführer. Die Markthalle ziehe immer mehr Anbieter an, die ihre Waren selbst und vor Ort herstellen. Sie sollen im Viktoriaspeicher entsprechende Räume bekommen, das Haus zu einem Werkhof handwerklicher Lebensmittelproduktion werden. Eine Idee, die wohlwollend aufgenommen wurde.


Thomas Frey / tf
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