Die nächste Etappe: Zwingli-Kirche erhielt eine Heizung

Jessica Schmidt (vorne) und Natalia Centner rekonstruieren die Wandreliefs. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Seit 2006 kümmert sich der KulturRaum Zwingli-Kirche um den Erhalt und den Ausbau des Gotteshauses am Rudolfplatz als Veranstaltungsort. Seither finden dort regelmäßig Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen und Konzerte statt. Bisher allerdings nur in den Sommermonaten.

Das ändert sich ab 29. November. An diesem Tag wird die renovierte Kirche wieder eröffnet. Seit März gab es dort umfangreiche Ausbesserungsarbeiten. Vor allem bekam das Gebäude eine Heizung und kann damit zumindest in Teilen das ganze Jahr über genutzt werden.

Dass die Sanierung der Kirche möglich wurde, ist, zumindest indirekt, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu verdanken. Wowereit sei im Sommer 2011 hier zu Besuch gewesen, erzählt Prof. Martin Wiebel, der Vorsitzende des KulturRaums. Dabei habe er ihm von den dringend nötigen Ausbesserungsmaßnahmen erzählt. Geld dafür aufzutreiben sei aber schwierig, weil sich das Gebäude in Kirchenbesitz befinde und damit das Anzapfen zahlreicher Fördertöpfe ausfalle. Der Rat des Regierenden: "Versuchen Sie es mal mit einem Antrag bei der Lotto-Stiftung."

Das machte Wiebel und bekam von dort 500 000 Euro bewilligt. Die reichten nicht nur für die Heizung, sondern auch für den Einbau neuer, den ursprünglichen Originalen nachempfundenen Leuchten sowie der Umgestaltung des Sanitärbereichs. Statt bisher einer gibt es jetzt jeweils drei Toiletten für Frauen und Männer. Dazu kamen weitere, zunächst ungeplante Ausgaben, etwa für den Brandschutz und einen Blitzableiter. "Trotzdem sind wir im Kostenrahmen geblieben", sagt Vorstandsmitglied Hans Thaysen. Darauf hat gerade er besonders geachtet. Thaysen brachte dafür Erfahrung aus seinem Beruf als Bauleiter von Großprojekten mit.

Für den Verein ist mit dem Umbau eine weitere wichtige Etappe geschafft. "Sie stellt aber auch uns vor neue Herausforderungen", sagt Martin Wiebel. "Zum Beispiel fallen jetzt Nebenkosten an, die es vorher nicht gab." Das Angebot müsse deshalb ausgeweitet und neue Kooperationspartner gesucht werden. Ideen gibt es viele. Die Kirche könnte künftig auch für Tagungen und Seminare genutzt werden. Oder zu einem Veranstaltungsort großer Berliner Events werden, wie der Fashion Week.

Auch die Verschönerungsmaßnahmen sind noch lange nicht abgeschlossen. Jessica Schmidt (21) und Natialia Centner (26) rekonstruieren beispielsweise in diesen Tagen Teile der Wandreliefs im Gotteshaus. Die beiden Studentinnen machen das im Rahmen eines Kooperationsprojekts, das der KulturRaum mit der Fachhochschule für Architektur und Design in Potsdam abgeschlossen hat. "Außerdem wollen wir eines Tages auch noch die Orgel renovieren", gibt Martin Wiebel ein weiteres Ziel vor. Das würde aber rund 180 000 Euro kosten.

Gerade für ihn schließt sich mit dem Projekt Zwingli-Kirche auch ein Lebenskreis. Martin Wiebel wurde 1943 im Rudolfkiez geboren und in dem 1908 errichteten Gotteshaus getauft. Sein Urgroßvater war Maximilian Koch, der die Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts bebaut hat. Nach Kriegsende zog die Familie nach Westdeutschland, Wiebel wurde Filmproduzent und Dozent. Vor einigen Jahren kam er in die Gegend zurück und rief wenig später den KulturRaum ins Leben.

Gefeiert wird die Wiedereröffnung am Freitag, 29. November ab 17.30 Uhr.


Thomas Frey / tf
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