East Side Gallery soll weitere Löcher bekommen

Mauern sollen fallen. Aber nicht an der Eastside-Gallery. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Das längste noch verbliebene Stück der Berliner Mauer ist die rund 1,3 Kilometer lange East Side Gallery entlang der Mühlenstraße. Sie ist inzwischen nicht nur als historischer Ort, sondern auch als Kunstmeile weltweit bekannt.

Jetzt soll es aber an zwei Stellen weitere Löcher im Denkmal geben. Die Pläne rufen Bürgerinitiativen, Clubbetreiber oder die Aktivisten von "Mediaspree versenken" auf den Plan. "Das ist eine historische Schande und ein Eingriff in die Kunst", empört sich auch Kani Alavi, Chef der East Side Gallery.Dabei ist bereits seit vergangenem Jahr bekannt, dass zumindest an einer weiteren Stelle die Mauer geöffnet werden soll. Nämlich im Zuge des Wiederaufbaus der Brommybrücke als Fußgänger- und Fahrradverbindung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Allerdings war das frühestens für das Jahr 2015 geplant.

Dass das 22 Meter breite Loch im Betonwall nun schon viel eher kommt, liegt an zwei Bauvorhaben auf den Grundstücken Mühlenstraße 60-63. An ihnen entzündeten sich auch die Proteste. Auf der Westseite dieser Fläche, die bisher von den Strandbars Oststrand und Strandgut genutzt wurde, beginnen bereits in einigen Wochen die Arbeiten für ein 63-Meter Hochhaus mit Wohnungen im eher hochpreisigen Segment. Der Bau, den der Investor Living Bauhaus errichtet, grenzt an die Landverbindung zur Brommybrücke und soll über diesen Zugang erschlossen werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2014 geplant.

An das Hochhaus schließt sich ein rund 120 Meter langer siebengeschossiger Gebäuderiegel entlang der Mühlenstraße an. Besitzer des Grundstücks ist eine israelische Investorengruppe. Der Baubeginn könnte hier möglicherweise ebenfalls noch in diesem oder Anfang des kommenden Jahres folgen.

Für dieses Großprojekt verlangten die Investoren zwei weitere Zugänge durch die Mauer. Das wurde vom Bezirk abgelehnt. Ein Gerichtsentscheid gestand allerdings eine weitere Öffnung zu. Die gibt es jetzt am bisher schon vorhandenen Tor zu den beiden Strandbars. Allerdings wird der Eingang hier von jetzt fünf auf rund elf Meter vergrößert.

Durch beide Bauvorhaben werde nicht nur das Mauerensemble, sondern der gesamte Ort auf das Gröbste beschädigt, finden die Demonstranten. "Hier befand sich einst der Todesstreifen, wurden Menschen erschossen. Niemand sollte da wohnen."

Das Hochhaus und den Riegel hätte auch der Bezirk gerne verhindert. Das gelang ihm aber schon deshalb nicht, weil diese Grundstücke im Gegensatz zu den anderen Flächen am Spreeufer nicht aufgekauft werden konnten. Außerdem existierte bereits seit den 1990er Jahren ein Bebauungsplan sowie eine Baugenehmigung. Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne) versuchte im vergangenen Jahr, die Eigentümer zu einem Grundstückstausch zu überreden. Ihnen sollten an andere Stelle Ersatzflächen zur Verfügung gestellt werden. Dafür hätte er die Hilfe von Finanzsenator Ulrich Nussbaum (parteilos, für SPD) gebraucht. Der lehnte die Bitte nach einem Alternativgelände aber ab.

Die Proteste kommen für den Bürgermeister deshalb etwas zu spät. "Ich hätte mir im Herbst 2012 bei meinen Bemühungen mehr Unterstützung gewünscht." Die sei damals weitgehend ausgeblieben.

Die Demonstranten wollen trotzdem versuchen, die Pläne noch zu verhindern. Rund 7000 Unterschriften seien inzwischen gesammelt worden, erklärten sie bei einer Pressekonferenz am 26. Februar. Der Senat solle sich erneut mit diesem Thema beschäftigen und es müsse auf die Tagesordnung des derzeit laufenden Colloquiums zum Spreeufer. "Und wir haben noch weitere Ideen auf Lager."


Thomas Frey / tf
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