Familienklub "Das Haus" feierte 20. Geburtstag

Ziemlich baufällig. Das Haus in den 90er-Jahren. (Foto: privat)
 
Nicht nur eine schmucke Fassade. Das Haus heute. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Jubiläumsveranstaltungen kommen häufig feierlich und getragen daher. Man kann sie aber auch witzig und selbstironisch begehen. So wie das die Begegnungsstätte "Das Haus" am Weidenweg am 21. September gemacht hat.

Die Familieneinrichtung hatte aus Anlass ihres 20. Geburtstages einen Film produziert, der in gut 30 Minuten temporeich die Haus-Geschichte der vergangenen zwei Jahrzehnte Revue passieren ließ. Zugute kam ihr dabei, dass viele Akteure der ersten Stunde das Geschehen regelmäßig mit einer Videokamera begleiteten. Diese Bilder sorgten nicht nur für Einblicke in eine längst vergangene Zeit, sondern auch für teilweise skurrile Sequenzen. Etwa wenn pubertierende Mädchen in den 1990er Jahren von ihrem Selbstfindungsprozess berichteten. Oder eine Oma schon damals bei einer Umfrage befand, man könne sich in Friedrichshain eigentlich nicht mehr auf die Straße trauen. Dieses Geburtstagsgeschenk passte aber gut zur Historie dieses Projekts. Denn initiiert wurde es von einer Besetzer-Community, die 1990 zunächst in einem Fabrik- und Wohngebäude in der Palisadenstraße residierte. Ein von ihnen gegründeter Verein übernahm ein Jahr später Räume in der Dolziger Straße, die zu einem "Treffpunkt Kindheit" umgebaut wurden. Wenig später ausgestattet mit Fördermitteln durch den Senat sowie 21 ABM-Stellen ging es auf die Suche nach einer größeren Bleibe. Die fand sich am Weidenweg 62. Trotz laufender Rückübertragungsansprüche gab es einen Mietvertrag von der Wohnungsbaugesellschaft WBF.

Beim Einzug im August 1992 fand der Haus-Verein dort ein stark renovierungsbedürftiges Haus vor. Die Fenster sind undicht, die Wasserleitungen frieren im Winter ein und geheizt wird mit Kachelöfen. Dafür finden die Angebote Anklang, vor allem bei den Kindern. "Schon als wir einzogen kamen die ersten Kinder aus der Nachbarschaft und fragten, was wir hier machen", erinnert sich Leiterin Birgit Bosse. Für den Nachwuchs werden Spiel- und Ferienprogramme organisiert, es gibt Theater, Musik, Tanz und Performance.

Aktivitäten, die viele Erwachsene in der Nachbarschaft zunächst eher kritisch beäugten. Und als eines Tages in den Anfangsjahren die Polizei vorfuhr, werteten das manche Anwohner als Zeichen dafür, dass die Beamten dem Treiben jetzt wohl ein Ende bereiten. Dem war aber nicht so. Vielmehr kamen die Freunde und Helfer wegen eines Kooperationsprojektes ins Haus. Solche und weitere Geschichten werden dann natürlich auch bei einem Jubiläum gerne erzählt.

Ebenso wie die zunächst langsame und dann ab 1999 gründliche Umwandlung des Hauses zu einem auch von der Ferne einladenden Ort, samt bemalter Fassade. Und erinnert wurde natürlich auch an die vielen Aktivitäten und Veranstaltungen, die das Haus schon gesehen hat. Zu denen, die sich seit 1996 gehalten haben gehört das inzwischen traditionsreiche Hexenfest, das jedes Jahr am 30. April stattfindet.

Heute ist "Das Haus" eine der wichtigsten Begegnungszentren im Bezirk. Unter seinem Dach gibt es Sozial-, Rechts- oder Konfliktberatung, Ausstellungen und Lesungen und vor allem viele Angebote für Kinder und Familien, vom gemeinsamen Kochen in der Familienküche bis zu Ferienausflügen. Getragen wird die Einrichtung bis heute von ihrem gleichnamigen Verein.

Der hat auch für die Zukunft viele Pläne. Aktuell geht es um den Anbau eines Wintergartens. Die Arbeiten dafür werden wahrscheinlich im nächsten Jahr beginnen.


Thomas Frey / tf
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