Gisela Hielschers langer Weg zur Mülltonne

Um zu den Mülltonnen im Innenhof zu kommen, muss Gisela Hielscher erst einmal in den Keller. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Zunächst geht es acht Stufen bis zum Kellereingang. Danach folgen weitere zwölf, ehe das Untergeschoss erreicht ist. Dort müssen zwei jeweils etwa 20 Meter lange Gänge zurückgelegt werden, die wiederum an einer Tür enden. Hinter ihr geht es wieder 18 Stufen nach oben und dann noch einige Meter durch den Innenhof, ehe endlich das Ziel erreicht ist: Die Mülltonne.

Diesen Weg müssen Gisela Hielscher und die anderen Mieter in den Häusern Warschauer Straße 83-85 seit August 2012 zurücklegen, wenn sie ihren Abfall entsorgen wollen. Damals wurden die Müllschlucker in ihren Häusern zugemauert. Passiert sei das in einer Art Nacht- und Nebelaktion, erinnert sich die 78-Jährige. "Wir wurden nur darüber informiert, dass Arbeiten in den Schächten stattfinden und dachten, da wird irgendetwas renoviert." Das Ende der Abfallabwurfanlage sei von der Eigentümerversammlung der Häuser im vergangenen Jahr beschlossen worden, sagt wiederum Martina Kubisch, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft WBM.Sie folgte damit einem Gesetz, das bereits 2010 in Berlin verabschiedet wurde. Es besagt, dass bis Ende 2013 alle Müllschlucker stillgelegt sein müssen. Der Grund dafür waren zum einen Sicherheitsrisiken, etwa immer wieder auftretende Brände. Außerdem sei die Mülltrennung auf diese Weise nicht gewährleistet, die Schächte benötigen eine kostenintensive Reinigung und Wartung und die Abfuhr von Abfällen gestalte sich umständlich.

Für Gisela Hielscher und andere Senioren in der Warschauer Straße brachte das Gesetz eine zusätzliche Belastung. Ebenerdig gibt es von den Häusern keinen Zugang zum Innenhof, deshalb müssen sie durch den Keller. Nicht nur die Entfernung und das Auf und Ab sorgt dabei für Ärger. Auch die Beleuchtung sei nicht optimal und bei Schnee und Eis bestehe Rutschgefahr auf den Stufen, die ins Freie führen, zählt sie weitere Unannehmlichkeiten auf.

Die Rentnerin hätte noch die Möglichkeit über die Warschauer- und Boxhagener Straße zu den Containern zu gelangen. Was allerdings eine Strecke von mehr als 200 Meter bedeuten würde. Nicht nur deshalb hält sie von dieser Alternative wenig. "Es sieht ja nicht unbedingt vorteilhaft aus, wenn ich mit meinen Tüten auf dem Gehweg spaziere".

Sie hofft deshalb noch immer, dass sich die Situation wieder ändert. Mit weiteren Mitstreitern hat sie Briefe unter anderem an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verschickt. Das Schreiben aus dessen Senatskanzlei verwies erneut auf die Gesetzeslage. Dazu lieferte die Antwort aus dem Büro des Regierenden einige Tipps zur ökonomischen Entsorgung. "Eine gleichzeitige Entleerung verschiedener Abfallfraktionen sollte problemlos möglich sein", heißt es dort beispielsweise. Übersetzt soll das wohl heißen: Gehen Sie immer mit mehreren Tüten gleichzeitig zum Müll. Dem folgt der Hinweis, dass dieser Weg "mit anderen Besorgungen kombiniert werden kann."

Auch im Stadtplanungsausschuss der BVV wurde Gisela Hielscher Ende Mai vorstellig. Der konnte ihr ebenfalls nicht wirklich weiter helfen, forderte aber das Bezirksamt auf, sich noch einmal um eine Lösung zu bemühen.

Für Gisela Hielscher sieht die eigentlich einfach aus. "Der Müllschlucker müsste wieder aufgemacht werden", so ihr Wunsch. Der wird aber sicher nicht erfüllt.


Thomas Frey / tf
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