Günther Kunath wurde mit Ehrennadel des Landes Berlin ausgezeichnet

Günther Kunath, Träger der Ehrennadel des Landes Berlin. (Foto: Uwe Gero)

Friedrichshain. 15 Berliner erhielten im Dezember von Sozialstaatssekretär Michael Büge (CDU) die Ehrennadel für besonderes soziales Engagement. Zu ihnen gehörte auch Günther Kunath (80) aus Friedrichshain.

Sommer auf dem Sportplatz an der Fredersdorfer Straße. Eigentlich ist Urlaubszeit. Trotzdem ist eine Menge los. Denn seit 2009 werden dort regelmäßíg Ferienspiele angeboten. Kinder und Jugendliche können dort verschiedene Spiele und Sportarten ausprobieren. Und werden außerdem auch noch kostenlos verköstigt.Dieses Angebot ist nur eine Initiative, die Günther Kunath zu verdanken ist. Entstanden ist sie aus einem eigentlich naheliegenden Gedanken, den vor ihm anscheinend niemand hatte. Günther Kunath, der in der Nähe des Sportplatzes wohnt, fragte sich einfach, warum diese Anlage während der Ferienzeit brach liegen muss. Und es gleichzeitig viele Kinder gibt, die entweder gar nicht, oder zumindest nicht sechs Wochen im Urlaub sind. Dort könnte man doch für den Nachwuchs ein interessantes Freizeitprogramm zusammenstellen.

Bis die ersten Ferienspiele starten konnten, mussten einige Hürden überwunden werden. Wer Günther Kunath allerdings mit Argumenten wie "das geht aber gar nicht" oder "so etwas haben wir noch nie gemacht" kam, der hatte schon verloren. Denn wenn der 80-Jährige ein Ziel verfolgt, dann lässt er nicht locker, bis es umgesetzt ist.

Die Ferienspiele sind dafür nur ein Beispiel. Schon zuvor hatte sich ihr Erfinder um die Außengestaltung der Sporthalle verdient gemacht. Damit deren Fassade möglichst nicht beschmiert wird, initiierte er eine Malaktion. Angeleitet von professionellen Künstlern trugen Kita- und Schulkinder dort Wandbilder auf. Dadurch, so Kunaths Idee, werden Graffitischmierer abgeschreckt und das Gebäude nicht verunstaltet. Was dann auch so passierte.

"Dieses nachbarschaftliche Engagement hat Günther Kunath allerdings nicht erst in den vergangenen Jahren entdeckt. Vielmehr ist es seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil seines Lebens. "Man muss sich einmischen, auf Missstände aufmerksam machen und Ideen aus der Bürgerschaft voranbringen." Das galt für ihn zu DDR-Zeiten ebenso wie heute.

Dazu gehörte auch die Gründung des Bürgerkomitees Weberwiese, die 2004 maßgeblich von ihm initiiert wurde. "Anlass waren die Baupläne am Wriezener Bahnhof. Wir wollten wissen, was dort passiert." Das galt seither nicht nur für dieses Projekt. Ob die Straße der Pariser Kommune umgebaut, oder der Tunnel der U-Bahnlinie 5 saniert wird. Häufig sind es Mitglieder des Komitees und namentlich Günther Kunath, die auf solche Vorhaben hinweisen, Veranstaltungen organisieren oder eigene Vorschläge machen. Neuigkeiten, die der 80-Jährige auch in dem von ihm herausgegebenen Mitteilungsblatt "Pako-Info" verbreitet. Zu den Aktivitäten gehören auch Verschönerungen im Stadtbild. Etwa durch Baumpflanzungen an der Friedenstraße oder am Franz-Mehring-Platz.

Ein Engagement, das zwar manche Mitarbeiter der Verwaltung immer wieder aufstöhnen lässt, dass aber vom Bezirk bereits 2010 mit der Verleihung der Bürgermedaille an Günther Kunath gewürdigt wurde. "Kritisch konstruktiv" bezeichnete Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne) den Ausgezeichneten nicht nur aus diesem Anlass.

Der fühlt sich so ganz gut charakterisiert. Und hat inzwischen bereits weitere Pläne. Aktuell etwa sein Einsatz für eine Gedenktafel am U-Bahnhof Weberwiese, die an die vielen Bombentoten erinnert, die es dort bei einem Angriff im April 1945 gegeben hat. So wie es aussieht, wird auch diese Idee demnächst umgesetzt.


Thomas Frey / tf
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