Interview mit der neuen Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg

Als studentische Mitarbeiterin begann Monika Herrmann 1990 ihre Arbeit in der Bezirksverwaltung. Ab August steht sie dort an der Spitze. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Am 1. August wird Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne) Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Welche Vorstellungen sie von dieser Aufgabe hat und wo sie die Schwerpunkte ihrer Arbeit sieht, darüber sprach Berliner Woche-Reporter Thomas Frey mit der künftigen Rathauschefin.

Ihre Wahl hat weit über den Bezirk hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie erklären Sie sich das?

Monika Herrmann:Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Ort, mit dem auch viele Leute außerhalb von Berlin etwas anfangen können. Und sei es nur, weil sie damit ein bestimmtes Lebensgefühl verbinden. Aktuell etwa die Szene- und Clubkultur oder die Internationalität. Menschen aus vielen Ländern waren bereits als Touristen zu Besuch oder leben hier.

Sie haben bereits davon gesprochen, dass Friedrichshain-Kreuzberg eine noch wichtigere Stimme unter den Berliner Bezirken werden soll. Von welchen Erfahrungen hier kann die Stadt profitieren?

Monika Herrmann: Wir haben häufig früher als andere Probleme gesehen und darauf hingewiesen. Zum Beispiel auf das immer knapper werdende Wohnungsangebot und die steigenden Mieten, die bei uns spätestens seit 2008 Thema waren. Ähnliches gilt auch in meinem ureigenen Bereich, der Jugend- und Familienpolitik. Nicht nur dort werde ich mich auch künftig zu Wort melden. Etwa, wie bereits passiert, mit meiner Forderung, den Preis für das Schulessen vom Einkommen der Eltern abhängig zu machen. Ich weiß, dass dieser Vorschlag einige Tücken hat und am liebsten wäre mir natürlich, das Schulessen wäre für alle Kinder kostenlos. Aber so lange das nicht durchzusetzen ist, halte ich einen gestaffelten Preis für die sozial gerechteste Lösung.

Wo sehen Sie Ihre wichtigsten Aufgaben als Bürgermeisterin?

Monika Herrmann: Menschen, unabhängig von Herkunft oder Einkommen sollen weiter hier leben können. Mit ist klar, dass wir zum Beispiel nicht jeden Wegzug wegen steigender Mieten verhindern werden. Aber ich möchte, dass die Bevölkerungsstruktur, wie sie jetzt noch existiert, weitgehend erhalten bleibt. Was ich damit meine, mache ich gerne am Beispiel von drei Plätzen im Bezirk deutlich. Wenn Sie am Sonnabend zum Markt am Südstern gehen, treffen Sie dort meist ein gut situiertes Publikum. Nur wenige hundert Meter weiter am Kottbusser Tor haben Sie ein ganz anderes Bild. Hier geht es, etwa im Protestcamp, um die Angst, die Wohnung noch bezahlen zu können und um Verdrängung. Und wieder eine andere Klientel finden Sie rund um den Boxhagener Platz. Das zu erhalten wird schwer genug, denn wir merken nicht nur wegen der Mietenproblematik, dass sich aktuell einiges verändert.

An welche Veränderungen denken Sie?

Monika Herrmann: Wir registrieren derzeit eine verstärkte Zuwanderung. Es kommen zum einen viele Menschen aus Südeuropa, etwa Spanien oder Italien. Sie sind meist gut ausgebildet und haben als EU-Bürger einen anderen Status, als etwa Lateinamerikaner und erst recht die zahlreichen Flüchtlinge. Sie alle treffen auf schon lange hier lebende Einwanderer vor allem türkischer Herkunft. Die Frage ist jetzt, welche Auswirkungen hat das etwa auf dem Arbeitsmarkt? Wie wir dieses Zusammenleben gestalten, ist nach meiner Meinung eine der größten künftigen Herausforderungen.

Wie beschreiben Sie Ihren Arbeitsstil?

Monika Herrmann: Ich gelte ja als ziemlich offen und kommunikativ. Als Bürgermeisterin sehe ich mich als Repräsentantin des Bezirks und bin schon deshalb Ansprechpartner für viele Belange, auch wenn sie vielleicht zunächst nicht in meine direkte Verantwortung fallen. Wenn ich eine Idee habe, spreche ich sie mit vielen Leuten durch, teilweise auch mit Menschen, die damit direkt nichts zu tun haben. Erst recht gilt das für die öffentliche Auseinandersetzung, Stichwort Bürgerbeteiligung. Ich kann aber auch für etwas kämpfen, wenn ich davon überzeugt bin. Für das Übertragen der meisten Jugendeinrichtungen an freie Träger habe ich vor einigen Jahren ziemlich Prügel bezogen. Inzwischen glaube ich, dass die meisten eingesehen haben, dass dieser Schritt richtig und notwendig war.

Was sind Ihre Lieblingsplätze in Friedrichshain-Kreuzberg?

Monika Herrmann: Da gibt es einige. Der Prinzessinnengarten fällt mir ebenso ein, wie die Gegend um den Boxi und die Simon-Dach-Straße. Und ich laufe gerne über die Friedhöfe an der Bergmannstraße.


Thomas Frey / tf
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