Jim Avignon sorgt für Ärger an der East Side Gallery

Um dieses Bild geht es. Jim Avignon hat es am 19. Oktober neu an der East Side Gallery aufgetragen und damit sein altes Motiv übermalt. (Foto: Frey)

Friedrichshain. 1990 gehörte Jim Avignon zu den Künstlern, die die Mauer an der Mühlenstraße bemalt haben. Sein ursprüngliches Werk aus der Wendezeit war allerdings zuletzt kaum noch zu sehen. Dazu wurde es bereits vor mehr als zehn Jahren nicht von ihm, sondern von anderen Künstlern restauriert. Am 19. Oktober legte der Pop-Art-Künstler allerdings erneut Hand an und bemalte den Betonwall mit völlig neuen Motiven. Seither wird darüber heftig gestritten.

Vor allem für die Künstlerinitiative East Side Gallery bedeutet die Aktion einen Eingriff in das Gesamtensemble. Die Bilder dort stehen für einen bestimmten Abschnitt der Geschichte, meint deren Vorsitzender Kani Alavi. Es sei erlaubt, die Originale auszubessern oder neu aufzutragen, aber nicht an ihrer Stelle ein anderes Werk anzubringen. Zuletzt gab es 2009 eine Generalsanierung.

Avignon sieht das etwas anders. Für ihn lebt gerade Straßenkunst von Veränderungen und dem Aufzeigen neuer gesellschaftlicher Entwicklungen. Davon erzählt auch sein jetzt gemaltes Bild. Es zeigt Partygänger und DJ’s, persifliert das trendige Großstadt-Publikum, stellt Investoren und Spekulanten dar, die Hochhäuser unter dem Arm tragen.

Ein Sittengemälde, das deshalb auch den Beifall zumindest von Teilen des Bündnisses "East Side Gallery retten" findet. Avignon setze "ein Zeichen gegen die infolge der Bebauung drohende Zerstörung des Denkmals", heißt es dort. Angespielt wird natürlich auf den Hochhausbau auf der Rückseite der Mauer gegen den sich das Bündnis seit Frühjahr mit Protesten zur Wehr setzt.

Neben diesen ganz unterschiedlichen Stellungnahmen, auch aus dem politischen Raum, gibt es schließlich noch die rechtliche Wertung der Malaktion. Denn die East Side Gallery steht unter Denkmalschutz. Das bedeutet, sie kann nicht einfach verändert werden. Ob dagegen verstoßen wurde, prüft jetzt die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks. Es könnte hier eine Ordnungswidrigkeit vorliegen, meint Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne). "Ein Architekt kann auch nicht einfach sagen, das Haus, das ich einmal gebaut habe, reiße ich jetzt ab und baue ein neues." Gleichzeitig räumt er ein, dass der Fall schwierig einzuschätzen sei.

Ordnungswidrigkeiten werden an der East Side Gallery nahezu täglich begangen. Nämlich in Form der zahlreichen Graffiti und Kritzeleien, mit denen inzwischen die meisten Werke verunstaltet sind. Wie diese Übergriffe beendet werden könnten und wie es überhaupt mit der East Side Gallery weitergeht, damit beschäftigen sich derzeit auch zwei Gutachten, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Auftrag gegeben hat. Überlegt wird in diesem Zusammenhang beispielsweise schon länger, ob der bemalte Betonwall Teil der Stiftung Berliner Mauer werden soll.


Thomas Frey / tf
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