Kirche kündigt Einrichtung für Obdachlose Vertrag

Das Gebäude der Obdachloseneinrichtung am Stralauer Platz. Das Kreuz an der Fassade weist bereits auf die Kirche als Eigentümer hin. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Mehr als elf Jahre war die MUT GmbH Betreiber der Obdachlosentagesstätte am Stralauer Platz. Zu Beginn des Jahres wollte MUT die Einrichtung an einen neuen Träger übergeben. Dagegen wandte sich der Eigentümer der Immobilie und kündigte den Vertrag zum 31. Juli.

Bei dem handelt es sich um die evangelische Kirche. Und neuer Mieter sollte der Humanistische Verband Berlin (HVB) werden. Dieser Konstellation wollen die evangelischen Verantwortlichen allerdings nicht ihren Segen geben. Begründung: "Der Verband wendet sich ja gerade gegen den Einfluss der Kirche", sagt Sprecher Volker Jastrzembski. Ihm die Räume zur Verfügung zu stellen hält er deshalb für einigermaßen paradox. "Das wäre so, als würde ein Mercedes-Chef mit einem BMW vorfahren." Und natürlich werde die Kirche auch niemals in einem Gebäude der Humanisten beispielsweise ein Gemeindezentrum einrichten.Bei Manfred Isemeyer, Geschäftsführer des Humanistischen Verbandes stößt diese Haltung ebenso wie bei MUT-Chefin Bettina Lange auf Unverständnis. "Wir sind nicht kirchenfeindlich", beteuert Isemeyer. Bettina Lange hätte sich nicht vorstellen können, "dass es zu diesen Problemen kommt." Die Kirche sei doch ebenfalls stark sozial engagiert. "Und hier geht es um die Ärmsten der Armen." Weltanschauliche Differenzen dürften deshalb keinen Platz haben.

Nach Angaben von Lange muss ihre Organisation die Trägerschaft für die Obdachlosentagesstätte sowie drei weiterer Einrichtungen wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgeben. Alle sollen an den HVB gehen. Bei den drei anderen Standorten habe es keine Probleme gegeben und auch die Übergabe am Stralauer Platz sei vom Bezirk und der Senatsverwaltung für Gesundheit begrüßt worden.

Es werde jetzt nach einer anderen Immobilie in der Nähe des Ostbahnhofs gesucht, an der die Arbeit fortgesetzt werden könne, sagt Bettina Lange. "Allerdings ist es äußerst schwierig, dort etwas passendes zu finden."

Gleichzeitig bemühe sich auch die evangelische Kirche um eine Fortführung des Angebots an dieser Stelle, betont Volker Jastrzembski. "Bis Ende Juli ändert sich erst einmal nichts." Während dieser Zeit, so hofft er, wird ein anderer Träger gefunden, "entweder aus der Diakonie oder zumindest aus dem weltanschaulich neutralen Bereich."

Am Stralauer Platz gibt es nicht nur eine Tagesunterkunft mit Duschen und Kleiderkammer, sondern auch eine Arzt- und Zahnarztpraxis zur medizinischen Betreuung von Obdachlosen und Bedürftigen. Rund 30 Menschen werden jeden Tag versorgt.


Thomas Frey / tf
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