Kleinkrieg des Ralf Steeg um ein Abwasserbecken

Ralf Steeg auf der künstlichen Spreeinsel im Osthafen. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Der Ponton auf der Spree lädt an diesem Tag zum verweilen ein. Blumen sind aufgestellt, die Sonne scheint. Fehlt nur noch, dass man sich jetzt hier niederlegt und ganz entspannt auf das Wasser schaut.

So hätte das hier im Osthafen eigentlich auch ablaufen sollen. Zumindest im Kopf von Ralf Steeg. Stattdessen war die künstliche Insel im Wasser nur an diesem Tag, dem 14. September, begehbar. Der Grund war die Einweihung des unterirdischen Abwasserrückhaltebeckens, das unter dem Ponton in den Fluss gebaut wurde. Ihm verdankt die Anlage ihre Existenz. Und schon diese Geburt war schwer genug.Womit wir wieder bei Ralf Steeg wären. Er ist Chef der Firma LURI Wassersysteme und hat das Abwasserbecken samt Insel als Prototyp konzipiert. Es fängt bei starkem Regen Wasser auf, das die Kanalisation nicht mehr aufnehmen kann. Ansonsten würde es ungefiltert in den die Spree fließen. Sind die Kanalrohre wieder frei, wird es zurückgepumpt.

Solche Rückhaltebecken sind eigentlich nichts Neues. Steegs Konstruktion sei aber besonders flexibel und deshalb vielseitig einsetzbar, erklärte Matthias Kautt vom Karlsruher Institute of Technology. Im Auftrag des Bundesforschungsministeriums hat er das Projekt begleitet und Fördermittel organisiert. Als weiteren Vorteil nennt Kautt außerdem den relativ schnellen und außerdem kostengünstigen Bau.

Solche Lobeshymnen müssten einen Konstrukteur eigentlich freudig stimmen. Ralf Steeg macht allerdings während der Präsentation einen eher zurückhaltenden, fast zermürbten Eindruck.

Warum das so ist, macht er danach selbst deutlich. "Das gesamte Vorhaben lief unter dem Titel Spree 2011. Da wir inzwischen bereits 2012 schreiben, sehen Sie selbst, dass hier nicht alles wie gewünscht gelaufen ist."

Denn bei seinem Vorzeigemodell hatte Steeg mit zahlreichen Widerständen zu kämpfen. Der größte Gegenwind kam dabei von der Berliner Hafen- und Lagergesellschaft (Behala). In deren Besitz befindet sich noch das an den Ponton angrenzende Grundstück, eine der letzten bisher unbebauten Flächen im Osthafen. Schon länger sollen hier Verhandlungen mit möglichen Interessenten laufen. Eine Insel vor der Haustür, so die Befürchtung der Behala, würden möglicherweise diese Gespräche negativ beeinflussen. Erst recht, wenn es darauf viel Publikum gibt.

Aber das war der eigentliche Traum von Ralf Steeg. Zu seinem Konzept gehörte die öffentliche Nutzung des künstlich angelegten Eilands. Gerne auch mit einem Café oder einem Bootsverleih. Durch das Rückhaltebecken wird die Spree sauberer. das macht den Fluss attraktiver.

Von dieser Idee musste er aber beim ersten Anlauf Abschied nehmen. Die Behala konnte zwar den Ponton nicht verhindern, setzte aber ein vollständiges Verbot jeglicher Art von Publikum durch. Nur bei der Einweihung gab es eine Ausnahme. Für Steeg war das auch ein finanzieller Rückschlag. Denn er hatte Einnahmen aus dem Sommerbetrieb in seine Kalkulation eingeplant. Das gesamte Vorhaben verzögerte sich deshalb, bis die Stiftung Zukunft Berlin einsprang und die fehlende Summer ausglich. Wie hoch dieser Betrag war, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Bekannt sind allerdings die Gesamtkosten für die Pilotanlage in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Die gesamte Entwicklung des Luri-Abwassersystems kostete etwa vier Millionen.

Auch der Bau des Rückhaltebeckens war begleitet von einem ständigen Kleinkrieg. Als Ende April der letzte Rammschlag für die in der Spree versenkten Rohre erfolgte, mussten die Gäste das von einem Schiff aus verfolgen. Die Behala hatte das Betreten ihres Grundstücks untersagt. "Zum Schluss haben wir uns über solche Dinge wie einen Gullydeckel gestritten", sagt Steeg genervt. Das Land Berlin habe zwar einerseits sein Projekt gerne und stolz auf der Weltausstellung in Shanghai präsentiert, schreite aber nicht ein, wenn sich ein landeseigenes Unternehmen quer stellt.

Immerhin, das Rückhaltebecken ist jetzt installiert. Nach dem Abschluss der Pilotphase wird es von den Berliner Wasserbetrieben weiter unterhalten. Auch auf Ralf Steeg warten weitere Aufträge. "Aber zunächst in anderen Städten."


Thomas Frey / tf
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