Kompromisslösung zum Freudenberg-Areal im Ausschuss vertagt

Das Freudenberg-Areal ist derzeit eine Brache und wird es wohl noch einige Zeit bleiben. (Foto: Frey)

Friedrichshain. War es eine Drohung oder ein Anflug von Resignation? Auf jeden Fall ließ Dr. Jürgen Leibfried, Geschäftsführer der Firma Bauwert, am Ende einigen Frust erkennen. "Es gibt irgendwann einen Punkt, wo man sagt, man lässt es. Dann bleibt hier eine Brache", so seine Aussage nach fast eineinhalbstündiger Debatte.

Die gab es am 5. Juni im Ausschuss für Stadtplanung. Thema war das Kompromisspaket, den die Bauwert als Eigentümer des Freudenberg-Areals an der Boxhagener Straße mit Bürgermeister Dr. Franz Schulz (B 90/Grüne) ausgehandelt hat. Wie mehrfach berichtet will die Bauwert eine neues Quartier mit knapp 600 Wohnungen bauen. Dagegen regt sich Widerstand. Anwohner hätten hier am liebsten eine Grünfläche, aber zumindest ein weitaus geringeres Bauvolumen. In drei Werkstattgesprächen wurde Ende April das gesamte Vorhaben abgeklopft. Als Ergebnis gab es weitere Zugeständnisse der Bauwert. Sie stimmte zu, dass der öffentliche Stadtplatz auf dem Gelände größer wird, finanziert den Bau einer Kita und sorgt für zunächst kostenfreie Räume, in denen ein Nachbarschaftszentrum eingerichtet wird. Bereits zuvor hatte sich der Eigentümer verpflichtet, rund zehn Prozent der Mietwohnungen zu einem günstigen und gedeckelten Mietpreis von 5,50 Euro pro Quadratmeter nettokalt zu vermieten.

Diesem Paket sollte der Ausschuss eigentlich seinen Segen geben und damit das weitere Bebauungsplanverfahren ermöglichen. Dazu kam es aber nicht. Die Grünen machten bereits während der Diskussion klar, dass sie einen Antrag auf Vertagung stellen werden. "Wir wollen das erst nach der Sommerpause entscheiden", so deren Fraktionsvorsitzende Paula Riester. "Vielleicht bekommen wir bis dahin aus allen Positionen und Forderungen etwas konkretes hin." Wahrscheinlich wird es dann auch eine gemeinsame Sitzung mehrerer Ausschüsse geben.

Dass die weitere Zukunft des Freudenberg-Areals erneut auf Eis liegt, freute natürlich die zahlreich erschienene Protestgemeinde. Die wurde einmal mehr nicht müde, das gesamte Vorhaben in den düstersten Farben zu malen.

Jürgen Leibfried verwies dagegen auf die Zusagen, die sein Unternehmen bereits jetzt gemacht habe. Der Lieblingsidee der Gegner, nämlich ein Kauf der Fläche durch das Land Berlin, erteilte er eine Absage. Zum einen habe der Senat in Person von Stadtentwicklungsstaatssekretär Ephraim Gothe (SPD) bei den Werkstattgesprächen eine Absage erteilt. "Außerdem müssten wir dann erst einmal verkaufen wollen. Diese Absicht haben wir nicht." Auch wenn er danach seine am Anfang geschilderte Aussage tätigte.

Die Ankündigung, es hier vielleicht erst einmal bei einer Brachfläche zu belassen, schien die renitente Nachbarschaft nicht besonders zu erschrecken. Sie machte sich daraufhin eher Gedanken, wie das Gelände zwischenzeitlich genutzt werden könnte. Und sie will, dass die Freudenberg-Causa auch Thema während des Bundestagswahlkampfs in Friedrichshain wird.


Thomas Frey / tf
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