Lebensmittelaufsicht des Bezirks völlig überfordert

Friedrichshain-Kreuzberg. Der jüngste Lebensmittelskandal zieht immer weitere Kreise. Und nicht nur Pferdefleisch in Lasagne- oder Gulaschgerichten ist mittlerweile das Thema. Es geht zum Beispiel auch um Schweinefleisch im Döner.

Im Bezirk stehen deshalb die Anbieter von Fleisch am Drehspieß jetzt besonders im Fokus der Lebensmittelkontrolleure. "Bei einem Gespräch am 18. Februar bei der Senatsgesundheitsverwaltung wurde vereinbart, dass sich die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter um bestimmte Bereiche besonders kümmern. Bei uns ist das der Döner", sagt der zuständige Stadtrat Dr. Peter Beckers (SPD).Allerdings wird es auch hier keine flächendeckenden Kontrollen geben. Geschweige denn bei allen anderen Imbissen, Gaststätten oder Produktionsstätten. Dafür fehlt schlicht das Personal.

Denn die Lebensmittelaufsicht in Friedrichshain-Kreuzberg besteht aktuell lediglich aus fünf Mitarbeitern. Nach einer EU-Richtlinie sollten es aber eigentlich bis zu drei Mal so viele sein. Ihnen stehen rund 4000 Betriebe gegenüber, die mit Esswaren zu tun haben. Ein regelmäßiges Überprüfen ist mit dieser Personalzahl natürlich ausgeschlossen.

"Wir haben damit nicht einmal die Möglichkeit, verdachtsunabhängig zu kontrollieren, sondern können nur noch tätig werden, wenn uns Hinweise auf mögliche Missstände angezeigt werden", klagt der Stadtrat. Was bedeutet, dass der Pferdefleisch- und seine jetzt folgenden Skandale hier wahrscheinlich kaum ans Tageslicht gekommen wären.

Dass das Amt völlig unterbesetzt ist, liege vor allem an der Personalzielzahl des Senats, sagt Beckers. "So lange es bei den höchstens 20 000 Mitarbeitern in allen Bezirksverwaltungen bleibt, wird sich daran nichts ändern." Bis 2016 soll die Höchstgrenze erreicht sein. Ende 2012 waren es noch rund 1450 mehr, was bedeutet, dass seit diesem Jahr der Personalabbau greift. In Friedrichshain-Kreuzberg fallen 138 Vollzeitstellen weg. Um einen weiteren Kollegen wird dabei auch die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht reduziert.

Damit seien weitere Skandale vorprogrammiert, meint Beckers. "Neuerdings sollen wir auch noch die ernährungspysiologische Kontrolle beim Schulessen vornehmen." Auch das sei nicht zu schaffen.


Thomas Frey / tf
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