Paul Richter gewann Bezirksentscheid im Vorlesewettbewerb

Paul Richter war der beste Vorleser. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Eigentlich sei er gar kein besonders großer Bücherwurm, sagt Paul Richter. Aber die Kurzgeschichten von Horst Evers begeistern den Elfjährigen. Eine der skurrilen Erzählungen des Kreuzberger Schriftstellers verhalf ihm jetzt zum Erfolg bei der Bezirksausscheidung im Vorlesewettbewerb.

Paul Richter von der Pettenkofer-Grundschule kam dort auf den ersten Platz und vertritt Friedrichshain-Kreuzberg beim Berliner Landesentscheid. Er setzte sich gegen 17 Mitbewerber durch. Alljährlich ruft der Börsenverein des deutschen Buchhandels Schüler der Jahrgangsstufe sechs dazu auf, sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen. Zunächst werden die jeweiligen Klassenbesten, danach die Schulsieger ermittelt. Sie messen sich dann beim Bezirkswettbewerb, der auch in diesem Jahr in der Jens-Nydahl-Grundschule in der Kohlfurter Straße stattfand.

Neben den jeweiligen Lese-Leistungen bietet diese Veranstaltung einen guten Überblick, welche Bücher Jugendliche aktuell bevorzugen. Eher unbekannte Werke sind dort ebenso vertreten wie die Klassiker von Roald Dahl oder die Detektivstorys der drei Fragezeichen. Schulgeschichten werden weiter gerne gelesen, aber auch Abenteuerromane, die auf Schiffen oder im fernen Indien spielen. Auffallend war, dass viele Teilnehmer nicht nur ihren Vortrag gekonnt über die Bühne brachten, sondern eine sehr große Präsenz ausstrahlten. Lampenfieber und Aufregung vor dem Auftritt, die es bestimmt gab, wussten die meisten sehr gut zu kaschieren.

Ein anderes Bild, als in den vergangenen Jahren, bot die Zusammensetzung der Kandidaten. Bisher waren fast immer die Mädchen zahlenmäßig klar in der Mehrheit. Dieses Mal waren elf der 18 Vorleser Jungen. Ob das für eine Trendwende steht und Jungen inzwischen häufiger zum Buch greifen lässt sich allerdings noch nicht sagen. Wahrscheinlich gilt noch immer, dass die Leselust dann geweckt wird, wenn Heranwachsende auf ein Werk stoßen, das sie fasziniert. So wie das bei Paul Richter mit den Büchern von Horst Evers der Fall ist. An dessen Episoden gefalle ihm vor allem der Humor, "denn ich mag witzige Geschichten."

Wobei ihn allein die gekonnte Präsentation des Evers-Textes noch nicht zum Sieger gemacht hätte. Denn nach der ersten Runde, bei der jeder Teilnehmer aus einem selbst ausgewählten Buch vortragen konnte, kürte eine Jury zunächst sechs Kandidaten für das Finale. Sie mussten dann aus einem ihnen unbekannten Text vorlesen, nämlich Auszüge aus "Wolfsnacht" von Robert Habeck und Andrea Paluch. Auch diese Aufgabe meisterte Paul souverän.

Der Berliner Sieger im Vorlesewettbewerb wird am 8. Mai unter den Bezirksbesten in der Stadtbibliothek in der Breite Straße in Mitte gekürt. Wer dort gewinnt, nimmt am Bundesfinale teil, das am 19. Juni ebenfalls in Berlin stattfindet.


Thomas Frey / tf
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