Tierschützer beklagt Zerstörung von Nestern

Friedrichshain. Aktuell ist die Brut- und Aufzuchtzeit für die Jungvögel. Zum Beispiel für die Mehlschwalben. Die haben aber im Bezirk inzwischen einen schweren Stand, behauptet Peter Grützmacher.

Der Aktivist des Vereins Tierhilfe Berlin will an einigen Häusern in Friedrichshain mutwillige Zerstörungen von Schwalbennestern festgestellt haben. "Schon im vergangenen Jahr sind dort rund 40 Nester beseitigt worden. Dieses Jahr nochmal mindestens sieben." Aufgefallen ist das Grützmacher weil er an der Fassade noch Reste der Nester entdeckt habe. Wahrscheinlich seien die Bewohner von der Hinterlassenschaft der Vögel genervt gewesen. "Trotzdem geht so eine Zerstörung überhaupt nicht. Und sie kann auch bestraft werden."Denn laut Gesetz ist das Beseitigen der Vogelunterkünfte grundsätzlich verboten. Das bestätigt auch Annette Rähm vom Umwelt- und Naturschutzamt Friedrichshain-Kreuzberg. Ein solches Vergehen könne auch ein Bußgeld ab 35 Euro nach sich ziehen. "Dabei kommt es auf die Art und das Ausmaß an." Zum Beispiel, ob das Nest während der Brut- und Vegetationsperiode abgeräumt wurde. Oder ob das gleich mehrfach passiert ist.

In bestimmten Fällen ist das Entfernen allerdings erlaubt. Vor allem wenn Sanierungsarbeiten an einem Haus stattfinden. Der Bauherr muss dafür aber eine Genehmigung bei der oberen Naturschutzbehörde des Landes Berlin einholen.

Annette Rähm räumt ein, dass es sehr schwierig sei, illegale Nestbeseitigungen zu ahnden. Eine ähnliche Auskunft bekam auch Peter Grützmacher, als er sich an das Naturschutzamt wandte. Denn wie in jedem Rechtsstreit muss die Schuldfrage eindeutig geklärt sein. Wenn ein Übeltäter nicht auf frischer Tat ertappt wird, ist es kaum möglich, ihm den Frevel nachzuweisen. Aussagen, die Peter Grützmacher wenig befriedigen. Er findet außerdem, dass es den Menschen leichter gemacht werden sollte, mit den Mehlschwalben zu leben. "Es gibt beispielsweise beim Naturschutzbund Bretter und andere Barrieren, die gegen unliebsame Begleiterscheinungen der Vögel, etwa ihren Kot, schützen. Aber die kosten Geld und müssen dort abgeholt werden."

Ohnehin seien die Schwalben in Friedrichshain auf dem Rückzug, meint er. Annette Rähm kann das nicht bestätigen. "Wir beobachten eher, dass der größte Teil der Bevölkerung sehr tierlieb ist." Weitaus häufiger als um zerstörte Nester müsse sich ihr Amt beispielsweise um Jungvögel kümmern, die Menschen irgendwo gefunden haben. "Die Leute bringen sie zu uns und wir sorgen dafür, dass sie im Tierheim unterkommen."


Thomas Frey / tf
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