Umstrittene Fotoschau an der East Side Gallery

Kunst statt Graffiti soll künftig auf der Mauerrückseite entlang der Mühelnstraße zu sehen sein. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Bereits im Jahr 2007 bemühte sich das Fotoprojekt "Wall on Wall" um eine Ausstellung an der East Side Gallery. Jetzt liegt dafür ein neuer Antrag vor.

Demnach soll die Bilderschau des Fotografen Kai Wiedenhöfer künftig an der Rückseite der Mauer entlang der Mühlenstraße zu sehen sein. An der Vorderfront befinden sich die 2009 neu aufgetragenen Arbeiten von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern, die 1990, wenige Wochen nach der Öffnung der Berliner Mauer, den Betonwall an dieser Stelle das erste Mal bemalt hatten.Die Rückseite sollte eigentlich frei bleiben, schon um Schäden an dem Mauerstück zu vermeiden. Doch inzwischen ist diese Seite komplett mit Graffiti-Schmierereien verunstaltet. Durch das Anbringen von Kunstwerken auch könnten die Signaturen und Tags zumindest etwas eingedämmt werden, so die Hoffnung, etwa bei den Mitgliedern im Kulturausschuss der BVV.

Deshalb soll der Wall on Wall-Antrag jetzt zumindest geprüft werden. Hinter ihm steht die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Göhler. Vor fünf Jahren blitzte sie damit nicht zuletzt bei der Senatskulturverwaltung ab. Und auch in der BVV waren die Meinungen über dieses Projekt damals gespalten.

Der Grund: Kai Wiedenhöfer zeigt in seinen Aufnahmen Mauern, die noch heute auf der Welt existieren und Menschen trennen. Etwa zwischen Nord- und Südkorea, den USA und Mexiko und - was damals vor allem für Diskussionen sorgte - die Mauer zwischen Israel und Palästina. Diesen Wall in einen Kontext zur einstigen Berliner Mauer zu stellen, ging vielen zu weit.

Das damalige Vorhaben sei, so war zu hören, inzwischen etwas modifiziert worden sein. Näheres wollen auch die Mitglieder im Kulturausschuss erfahren und möchten Adrienne Göhler deshalb zu ihrer nächsten Sitzung im Oktober einladen.

Schäden an der Betonwand sollen durch die Mauer-Fotos auf keinen Fall entstehen. Denn sie werden dort mit Hilfe eines speziellen Klebers angebracht.


Thomas Frey / tf
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