Umstrittene Mauerbilder an der Mauer

Demonstrationsbild an der Rückseite der East Side Gallery. Es zeigt die befestigte Grenze zwischen den USA und Mexiko. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Bereits vor vier Jahren sorgte das Projekt "Wall on Wall" für Diskussionen. Jetzt machen der Fotograf Kai Wiedenhöfer und die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler einen weiteren Versuch um ihre Mauerbilder-Idee auf der Rückseite der East Side Gallery zu verwirklichen.

Kai Wiedenhöfer fotografiert Mauern, die in vielen Ländern der Welt Menschen trennen oder eine Verbindung erschweren. 35 Aufnahmen will er auf einer Länge von etwa 350 Metern am einstigen Grenzwall anbringen. Allerdings zeigte sich bereits bei der Vorstellung im Kulturausschuss, dass das Projekt nach wie vor umstritten ist. Denn zu der Fotoserie gehören neben der betonierten Grenze zwischen Nord- und Südkorea, den Befestigungen in Bagdad und Belfast oder der 3000 Kilometer langen Mauer zwischen den USA und Mexiko auch der Wall, den Israel seit 2003 zu den Palästinensergebieten aufgebaut hat.

Den israelischen Schutzzaun auf irgendeine Weise in Zusammenhang mit der einstigen Berliner Mauer zu setzen, stieß nicht nur bei der SPD-Bezirksverordneten Miriam Noa auf Ablehnung. "Ich bin die letzte, die sich nicht dafür einsetzen würde, dass es nirgendwo mehr Mauern gibt. Aber manchmal ist das eine starke Vereinfachung. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Situation."

Erinnert wurde auch daran, dass Wiedenhöfers Fotos sehr stark die palästinensische Sichtweise betrachten und manche Aufnahmen antisemitische Reaktionen hervorrufen könnten. 2008 zeigte er beispielsweise ein Bild auf dem der Davidstern mit dem Hakenkreuz gleichgesetzt wurde.

Einwände, die Dr. Wolfgang Lenk (B 90/Grüne) teilweise nachvollziehen konnte, dessen Fraktion allerdings im Gegensatz zur SPD, Wall on Wall befürwortet. "Die Ausstellung soll zum Nachdenken und zum eigenen Urteil anregen. Die Haltung des Künstlers ist dann irrelevant."

"Es gibt keine Ideologie und keine Interpretation", betonte Adrienne Goehler. An den Bildern stehe nur eine kurze Ortsangabe. Angeklebt werden sie mit Tapetenkleister. Ein Beispielfoto hängt bereits seit Anfang November. "Mit ihm soll bewiesen werden, dass der Beton keinen Schaden nimmt."

An der Rückfront der Mauer dominieren ansonsten Graffiti-Tags. Deshalb möchte der Bezirk, dass auch diese Seite künftig künstlerisch gestaltet wird. Am besten durch mehrere temporäre Ausstellungen im Jahr.

Zum Antrag von Wall on Wall sollen sich zunächst alle BVV-Fraktionen positionieren. Die Entscheidung trifft eine Jury. Auch die Senatskulturverwaltung wird ihre Meinung abgeben.

Und dann müssen Adrienne Goehler und Kai Wiedenhöfer das Geld zusammen bekommen. Auf 25 000 Euro schätzen sie die Kosten. Mit einer finanziellen Unterstützung aus dem Bezirk, so wurde ihnen bereits im Ausschuss klargemacht, können sie nicht rechnen.


Thomas Frey / tf
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