Wann wird die East Side Gallery richtig gesäubert?

Touristenattraktion. Ein Foto von der gehört zu fast jedem Besuchsprogramm. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Am 27. April schrubbten mehr als 100 Künstler, Berliner und Touristen entlang der Kunstmeile East Side Gallery an der Mühlenstraße Graffiti von den Gemälden.

Die unerwartet große Zahl an Helfern schaffte es zwar, die Schmierereien an einigen Stellen zu beseitigen. Eine vollständige Reinigung, das war schon vorher klar, war aber nicht möglich.

Für Jörg Weber von der Künstlervereinigung East Side Gallery hatte die Aktion trotzdem viel mehr als nur symbolischen Charakter. Schon deshalb, weil das Denkmalensemble dadurch erneut eine große Aufmerksamkeit bekommen hat. Vielleicht, so hofft er, finde das endlich auch bei den politisch Verantwortlichen Niederschlag.

Denn natürlich ist das Putzen des Betonwalls eigentlich nicht die Aufgabe von Malern und weiteren Freiwilligen. Dumm nur, dass die Verantwortung dafür aber zwischen dem Bezirk und dem Senat hin- und hergeschoben wird.

Die Bilder sind mit einer Schutzsicht versehen. Das macht es möglich, Graffiti zu entfernen, ohne die Kunstwerke zu beschädigen. Am besten geht das professionell mit einem Dampfstrahler. Und auch schneller als bei der Putzaktion, wo die Helfer mit Schrubber und Spülmittel hantierten. "Zwei Mal im Jahr gründlich reinigen würde rund 22 000 Euro kosten", rechnet Jörg Weber vor. Bezahlen will aber keiner.

"Abgesehen davon, dass der Betrag höher liegt, wir müssten ihn aus unserem regulären Grünflächenetat nehmen", sagt Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne). "Dann hätten wir weniger Geld für andere Aufgaben zur Verfügung, von den Blumenbeeten bis zu den Spielplätzen."

Panhoff sieht deshalb das Land in der Pflicht. "Schon lange ist geplant, die East Side Gallery in die Stiftung Berliner Mauer aufzunehmen. Keine Ahnung, warum das bisher noch immer nicht passiert ist."

Vor allem deshalb, weil das Land Berlin dafür zwar 125 000 Euro zur Verfügung stellen will, aber noch einmal die gleiche Summe auch vom Bund erwartet. So lange die Finanzierung nicht geklärt ist, hat wiederum auch die Stiftung wenig Interesse, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Jörg Weber und seine Mitstreiter halten das Ganze vor allem für ein peinliches Schauspiel. 2011 sei die East Side Gallery zum letzten Mal umfassend gesäubert worden. "Würde das regelmäßig passieren, wäre das schon eine Barriere für potentielle Schmierer." Sind die Bilder dagegen einmal bemalt, gibt es schnell weitere Nachahmer, die sich dort verewigen.

Zumindest in diesem Jahr sollte schnell eine Lösung her. Im November feiert Berlin den 25. Jahrestag des Mauerfalls. Da wäre es gut, wenn sich auch dieser Ort entsprechend präsentiert.


Thomas Frey / tf
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