Wer bekommt den Zuschlag an der Holzmarktstraße?

Friedrichshain. Am 20. Oktober wird der Aufsichtsrat der Berliner Stadtreinigung (BSR) möglicherweise über die Vergabe seines Grundstücks an der Holzmarktstraße 19-30 entscheiden. Zumindest bis dahin und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus, wird er dabei mit starker Begleitmusik konfrontiert.

Wie zu hören war, sind aus dem Bieterverfahren noch drei Interessenten im Rennen, wobei zwei davon gemeinsame Sache machen wollen. Nämlich der Unternehmer Abris Lelbach sowie ein weiterer Investor. Lelbach, Geschäftsführer des Elektroanlagenbauers Elpro GmbH und außerdem im Pflegebereich tätig, möchte auf der Südfläche des ohnehin durch die Bahntrasse getrennten Grundstücks unter anderem Wohnungen für Pflegedienstmitarbeiter bauen. Auch eine Kita hat er dort vorgesehen. Unterkünfte, etwa für Studenten sowie Büroflächen oder ein Hotel sieht der bisherige Bebauungsplan für die nordwestliche Fläche des Areals vor.Die beiden Bewerber scheinen zumindest zusammen mit ihrem Angebot über dem der Konkurrenz zu liegen - den ehemaligen Betreibern der Bar25 und jetzigen Inhabern des Klubs Kater Holzig.

Letztere bekommen allerdings, wie mehrfach berichtet, Rückenwind aus der Politik. Nicht nur das Bezirksamt und die BVV Friedrichshain-Kreuzberg wünschen, dass dieses Konsortium zum Zuge kommt, sondern auch die beiden Regierungsparteien auf Landesebene, die SPD und die CDU. Vor allem die Sozialdemokraten wollen am Beispiel des Holzmark-Grundstücks ihre Neuausrichtung in der der Liegenschaftspolitik demonstrieren. Nicht wer am meisten Geld bietet, soll nach ihrer Meinung eine zum Verkauf anstehende Fläche bekommen. Vielmehr müssten künftig auch stadtentwicklungs-, wirtschafts- oder kulturpolitische Fragen dabei eine gewichtige Rolle spielen. Die Ideen der Kater Holzig-Betreiber würden das gewährleisten.

Deren Pläne sehen dort beispielsweise kleinteiligen Einzelhandel, Gewerbe und einen Club vor. Im nördlichen Bereich soll es auch hier Studentenwohnungen geben, außerdem ein Gründerzentrum. Und vor allem einen ausgedehnten Grünbereich sowie eine immerhin bis zu 25 Meter breiten Freifläche entlang der Spree. Das gesamte Bauvolumen liegt auch insgesamt weit unter dem, was dort nach dem bisher geltenden Bebauungsplan eigentlich zulässig wäre. Allerdings hat der Bezirk diesen B-Plan vor kurzem verändert, sprich abgespeckt und erlaubt jetzt nur noch ungefähr die Hälfte der bisherigen Bebauung. Dieses Vorgehen wurde aber vom Senat bisher noch nicht abgesegnet, so dass weiter der alte B-Plan gilt.

Auf ihn, sowie die Regularien des Bieterverfahrens bezieht sich Abris Lelbach. Es könne nicht sein, dass während einer Ausschreibung die Spielregeln geändert würden, meint der Bewerber und stellt, falls das wirklich so komme, bereits mögliche Schadensersatzforderungen in den Raum.

Gleichzeitig wird Lelbach aus einem anderen Grund von Vertretern der Politik kritisiert. Denn er ist Mitglied im Aufsichtsrat der BSR. Eine Interessenkollision will das Unternehmen darin aber nicht erkennen. Herr Lelbach habe frühzeitig erklärt, dass sich an der Ausschreibung für die Holzmarktstraße beteiligen möchte, erklärt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Daraufhin sei er bei allen Gesprächen, die sich um dieses Grundstück drehten, nicht mehr hinzugezogen worden und habe deshalb auch nicht mehr Informationen gehabt, als alle anderen Bieter.


Thomas Frey / tf
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