Wowereit sucht nach einem Kompromiss für East Side Gallery

Zwischenzeitlich ein beliebtes Motiv: Das Loch in der Mauer. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Das seit 1. März existierende Loch in der East Side Gallery an der Mühlenstraße soll wieder dicht gemacht werden. Dafür könnte eine bereits bestehende Lücke erweitert werden.

Das ist ein Ergebnis einer ersten Gesprächsrunde beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am 7. März, die nach den gewaltigen Protesten gegen die Zerstörung der East Side Gallery eilig einberufen wurde. Wowereit legte dort einen Kompromissvorschlag vor, der im Wesentlichen aus folgenden Punkten bestand. Erstens: Einen Mauerabriss direkt am Grundstück des geplanten Hochhauses soll es nicht mehr geben. Zweitens: Das 63-Meter hohe Wohnhaus wird weiter gebaut. Daraus folgt drittens: Die Bauarbeiter und später die Bewohner müssen auf andere Weise auf das Grundstück kommen.

Und zwar über die etwa 50 Meter entfernte bereits vorhandene Mauerlücke, die in den vergangenen Jahren der Eingang zu den Strandbars Oststrand und Strandgut war. Die Mauerlücke ist bisher etwa vier Meter breit und soll auf knapp elf Meter vergrößert werden. Hinter dem Betonwall befindet sich an dieser Stelle bereits das Nachbargrundstück zum Hochhaus, wo ein bis zu 120 Meter langer Gebäuderiegel geplant ist. Einer Passage über ihr Areal haben die dortigen Eigentümer grundsätzlich zugestimmt. Dieser Zugang müsste nach einem erwarteten Gerichtsurteil ohnehin ausgebaut werden, argumentiert der Regierende. Darüber hinaus sei dann aber kein weiterer Eingriff in die East Side Gallery notwendig.

Anders als Wowereit möchte Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz ( 90/Grüne) den Bau des Hochhauses und des Gebäuderiegels am Spreeufer stoppen und forderte erneut Ersatzgrundstücke für die Investoren. Gleichzeitig steht Schulz wegen seines Agierens in den vergangenen Wochen massiv in der Kritik. Denn er hat durch eine Abmachung mit dem Hochhaus-Bauherrn dafür gesorgt, dass der zum Mauerabriss verpflichtet wurde. Das Loch sollte gleichzeitig der Eingang zur wiederzubauenden Brommybrücke werden. Baubeginn ist aber frühestens 2015. Wenn überhaupt, denn zuletzt stand dieses Vorhaben sogar zur Disposition.

Warum der Bezirksbürgermeister wegen einer Brücke ohne Autos 22 Meter Mauerdurchbruch genehmigt habe, wunderte auch Wowereit. Und die SPD-Abgeordnete Brigitte Lange warf dem Bezirksbürgermeister im Abgeordnetenhaus vor, er sei "eine gespaltene Persönlichkeit. Zuerst macht Herr Schulz den Abriss klar und dann setzt er sich an die Spitze der Protestbewegung."

Schulz verweist wiederum darauf, dass er im vergangenen Jahr versucht habe, die geplanten Neubauten an der Mauer zu verhindern. Das sei misslungen, weil Finanzsenator Ulrich Nussbaum (parteilos, für SPD) nicht bereit gewesen sei, dafür Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen. Für Nussbaum hätte das Thema "keine gesamtstädtische Bedeutung" gehabt.

Unterschätzt hat nicht nur Franz Schulz die Symbolik der Mauer. Als etwa im Herbst 2012 die Pläne für die Brommybrücke öffentlich vorgestellt wurden und auch zur Sprache kam, dass dann ein weiteres Stück der East Side Gallery geöffnet wird, regte das kaum jemanden auf. Das änderte sich erst, nachdem der Baubeginn für das Hochhaus konkret wurde. Mit den inzwischen bekannten Folgen.

Die Aktivisten des Bündnisses "Die Mauer retten" können auch mit Wowereits Lösung wenig anfangen. "Warum sollen wir es gut finden, wenn die Mauer jetzt an einer anderen Stelle geöffnet wird", wird dort argumentiert.

Zumindest bis zum 18. März wird voraussichtlich gar nichts passieren. An diesem Tag tagt die nächste Runde des Forum Stadtspree im Radialsystem. Und da werden die Mauerturbulenzen wahrscheinlich das beherrschende Thema sein.


Thomas Frey / tf
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