Bezirk stellt Projekt "Vätergeschichten" vor

Bürgermeisterin Monika Herrmann mit den Projektkoordinatoren Müslüm Bostanci und Romanus Flock sowie Autor Andreas Ockert (von links) bei der Vorstellung der Geschichten. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Das kleine Buch hat 36 Seiten und beinhaltet 15 kurze Erzählungen. Sie handeln von Vätern und was sie für ihre Kinder bedeuten.

"Vätergeschichten" ist deshalb auch der Titel. Entstanden ist das Werk in der AG Zusammenarbeit mit Vätern im Jugendamt. Es soll künftig jedem Willkommenspaket beiliegen, das Eltern in Friedrichshain-Kreuzberg nach der Geburt eines Kindes bekommen. Außerdem wurden die Geschichten eingesprochen. Die Hörbeispiele sollen in Familienzentren und Jugendclubs vorgestellt werden. Und natürlich sind beide Versionen auch online unter www.vaetergeschichtenberlin.com verfügbar.

Die Rolle der Väter habe sich inzwischen ziemlich verändert, meinte Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis90/Grüne) bei der Präsentation am 29. Mai. Die meisten beteiligen sich heute selbstverständlich an der Erziehung, auch wenn die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen, noch immer nur etwa halb so lang ist, wie die der Mütter. Und egal aus welcher Generation, für Heranwachsende verbinden sich mit ihren Vätern häufig bestimmte Situationen. Sie brachten einem manches bei, waren Antreiber, Mahner und Vorbild. Es gibt verschiedene Augenblicke, bei denen Väter prägend waren, das zieht sich auch durch die verschiedenen Geschichten.

Der Vater war Stütze bei den ersten Versuchen auf dem Fahrrad. Er betätigte sich als Regisseur im familieneigenen Puppentheater, Vertraute auf die Schwimmkünste seines Nachwuchses. oder sorgte für Stimmung.

Oft ist in den Erzählungen von Stolz die Rede. Etwa im Bericht einer Arzttochter, deren Spaziergänge mit ihrem Vater oft mehrere Stunden dauerten. Denn der Mann war beliebt und wurde immer wieder angesprochen. Einem Sohn blieb der Sieg seines Papas bei einer Volksfestwette Anfang der 70er-Jahre im Gedächtnis. Oder die Erinnerung, die mit "Ein toller Hecht" überschrieben ist. Der Vater hat im Krieg ein Bein verloren, wagt sich aber trotzdem im Schwimmbad auf den Zehn-Meter-Turm und springt mit dem Kopf vorneweg ins Becken. "Die zuschauenden Badegäste applaudierten. Mein Bruder und ich sind mächtig stolz auf unseren Vater, der trotz seiner Behinderung diese Leistung vollbringt", sagte einer seiner Söhne. Die Kurzgeschichten sind das Ergebnis vieler Interviews im Bezirk. Sie fanden sich meist durch direkte Ansprache. "Wir hatten zwar zum Beispiel beim Familientag im Görlitzer Park einen Stand aufgebaut, bei dem wir auf unsere Initiative hinwiesen", sagt Leiter Romanus Flock. Aber sehr schnell habe sich herausgestellt, dass es mehr bringt, direkt auf Menschen zuzugehen.

Die Gespräche haben die Autoren Andreas Ockert und Sascha Mader zu Kurzgeschichten zusammengefasst. Jede Episode wurde von der Grafikerin und Trickfilmzeichnerin Anne Hofmann entsprechend illustriert.

Das Projekt kostete 12 000 Euro. Das Geld kam vom Jugendamt sowie aus dem Bundesprogramm Frühe Hilfen.

Für heutige Väter soll der literarische Begleiter einer Art Hilfe und Ansporn sein, ihre Rolle auszufüllen. Gleichzeitig fallen ihnen und auch den Müttern vielleicht eigene Erlebnisse mit ihren Vätern ein. Denn die werden auch weiter gesucht und sollen ebenfalls veröffentlicht werden.

Wer eine Geschichte beitragen kann, wendet sich an Romanus.Flock@ba-fk.berlin.de.

Thomas Frey / tf
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