Bezirk will gegen das ausufernde Nachtleben vorgehen

Friedrichshain-Kreuzberg. Touristen aus aller Welt fühlen in Friedrichshain-Kreuzberg sehr wohl, wie gerade auch eine Umfrage der Berliner Woche ergeben hat. Weniger gern gesehen sind einige von ihnen bei vielen Anwohnern.

Besonders diejenigen Gäste, die bevorzugt an den Wochenenden weite Teile des Bezirks in eine großen Feiermeile umwandeln, haben sich schon lange den Zorn der betroffenen Nachbarn zugezogen. Das betrifft den Wrangelkiez ebenso wie die Gegend um das RAW-Gelände oder die Simon-Dach-Straße. "Vom Maybachufer bis zur Frankfurter Allee herrschen in manchen Nächten unhaltbare Zustände", beklagt auch Bürgermeisterin Monika Herrmann (B 90/Grüne).

Die Bürgermeisterin hat sich vor kurzem mit Vorschlägen zu Wort gemeldet, die die Belastung durch die Massenparty im öffentlichen Raum zumindest abmildern sollen. Dazu gehören Informationsflyer, auf denen die Besucher zu einem rücksichtsvolleren Verhalten aufgefordert werden. Und sie sieht nicht zuletzt den Senat und die Tourismuswerber von visit Berlin in der Pflicht. So lange Berlin in Deutschland und der Welt den Ruf habe, hier sei ein Ort, an dem so ziemlich alles möglich und erlaubt sei, brauche man sich über die Zustände nicht zu wundern. Statt quantitativ immer nur neue Rekordzahlen von Reisenden zu melden, gehe es eher um einen qualitativen Tourismus und eine Abkehr vom Ballermann-Image.

Für ihre Vorschläge habe sie von Häme bis Unterstützung so ziemlich alle Reaktionen bekommen, sagt Monika Herrmann. Wobei sie einräumt, dass die Ideen höchstens eine Art Diskussionsgrundlage seien. "Ich habe, wie bisher niemand, ein Patentrezept".

Das zu finden wird schwierig. Redet man dem Feierpublikum einfach nur ins Gewissen, ist es wenig wahrscheinlich, dass das auf die Schnelle erfolgreich ist. Werden rigide Maßnahmen ergriffen, hat auch das Nebenwirkungen, nicht nur für viele Gaststätten und Geschäfte, die von den Besuchern leben. Sondern auch für das Image von Friedrichshain-Kreuzberg als bunter Bezirk. "Aber wenn wir nichts tun, sind manche Kieze demnächst unbewohnbar", betont die Bürgermeisterin.


Thomas Frey / tf
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