Bezirksmedaille für Bürger und Organisationen

Friedrichshain-Kreuzberg. Eigentlich sollte die Verleihung der Bezirksmedaille bereits am 26. Juni stattfinden. Wegen der Ereignisse rund um die Gerhart-Hauptmann-Schule fiel der Termin kurzfristig aus. Er wurde am 25. September nachgeholt.

Drei Bürger und zwei Organisationen erhielten die Auszeichnung in diesem Jahr, mit der der Bezirk außergewöhnlichen Einsatz für das Gemeinwohl würdigt. Das gilt zum Beispiel für den Verein zur Förderung der freiwilligen Feuerwehr Friedrichshain. Er sorgt für den Zusammenhalt der Feuerwehrkameraden, aber engagiert sich darüber hinaus bei verschiedenen Initiativen und Projekten. Etwa bei den Nachwuchsfußballern von Victoria Friedrichshain oder den Drachenrettern auf dem Spielplatz in der Schreinerstraße.

Dr. Klaus Duntze (79) war nicht nur ehemaliger Pfarrer der St.-Thomas-Kirche am Mariannenplatz, sondern auch einer der Gründer des Bürgervereins Luisenstadt und Autor eines Buchs über den Luisenstädtischen Kanal. Seit den 1970er Jahren kämpfte er im Rahmen der "Strategien für Kreuzberg" für eine behutsame Stadterneuerung.

Bärbel Drogge (78) wurde für ihre langjährige Arbeit bei der Arbeiterwohfahrt und der Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg ausgezeichnet. Viele Veranstaltungen im Bezirk seien nicht zuletzt ihrer Unterstützung zu verdanken, erklärte Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) bei seiner Laudatio. Vom Lesbischschwulen Parkfest bis zur Weihnachtspäckchenaktion.

Die Ehrung für Kurt Gutmann (87) bezog sich nicht nur auf seine Mitarbeit in der Gedenktafelkommission und lange Zeit als Bürgerdeputierter im Kulturausschuss, sondern war darüber hinaus eine Würdigung seines Lebens. Als Zwölfjähriger entging er 1939 mit dem letzten Kindertransport nach England den Vernichtungslagern der Nazis. Seine Mutter und seinen ältesten Bruder sah er bei der Abfahrt zum letzten Mal. Sie wurden 1943 in Sobibor ermordet.

Kurt Gutmann, der nach dem Krieg als britischer Soldat nach Deutschland zurückkam, erfuhr näheres über ihr Schicksal erst 50 Jahre später. Und kämpfte danach für "ein Stück Gerechtigkeit für die Opfer". Beim Prozess gegen John Demjanjuk, einem ehemaligen Mitglied der SS-Mannschaften in Sobibor, der zwischen 2009 und 2011 in München stattfand, war der damals schon über 80-Jährige der einzige deutsche Nebenkläger.

Kurt Gutmann war es auch, der bei der Veranstaltung den Bogen von seiner eigenen Biografie zur aktuellen Situation zog. "Als einstiger Flüchtling appelliere ich für Verständnis und Hilfe für die Flüchtlinge, die heute bei uns sind."

Damit leitete er gleichzeitig zur letzten Ehrung über. Sie ging an das Diakonische Werk Berlin-Stadtmitte, das sich mit vielen Initiativen im Bezirk engagiert, aber gerade aktuell besonders bei den Flüchtlingen. Was mit viel Enttäuschung und Frust wegen des Vorgehens gegenüber den Betroffenen verbunden sei, wie Sprecherin Evi Gülzow deutlich machte. Die rigiden Prüfungen und meist abgelehnten Anträge für einen Aufenthaltsstatus in Berlin seien ein "politisches und menschliches Desaster", kritisierte sie. Gesetze könnten eng oder weit ausgelegt werden. "Für die ehemaligen Bewohner des Oranienplatzes sind sie nur sehr eng gefasst worden."

Alle Auszeichnungen mit der Bezirksmedaille basierten auf Vorschläge aus der Bevölkerung. Die Preisträger werden von einer Jury ausgewählt, die sich aus der BVV-Vorsteherin, der Bürgermeisterin und weiteren Mitgliedern des Bezirksamtes sowie Vertretern der Fraktionen im Bezirksparlament zusammensetzt.

Dass die Veranstaltung trotz Haushaltssperre stattfinden konnte, lag auch an ihrem ersten und ausgefallenen Termin. Denn das Geld dafür war deshalb bereits vor dem Ausgabenstopp am 3. September eingestellt und bewilligt worden.


Thomas Frey / tf
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