Das Krankenhaus Friedrichshain feierte seinen 140. Geburtstag

Der heutige Haupteingang des Krankenhaus Friedrichshain. (Foto: Frey)
 
Die Chirurgische Kinderstation in den 1920er Jahren. (Foto: Archiv Krankenhaus Friedrichshain)

Friedrichshain. Am 8. Oktober 1874 fand die Einweihung des Krankenhauses Friedrichshain statt. Das wurde exakt 140 Jahre später mit einem Festakt gefeiert. Und gleichzeitig an die wechselvolle Geschichte dieses Gebäudes erinnert.

Schon seine Gründung war außergewöhnlich. Die Idee, am Volkspark Friedrichshain Berlins erstes kommunale Klinik zu bauen ging nämlich auf eine großzügige Spende des wohlhabenden Bäckermeisters Jean Jaques Fasquel zurück. Er stiftete bereits 1864 die Summe von 50 000 Talern für den Bau eines Hospitals, stellte aber gleichzeitig eine Bedingung. Spätestens vier Jahre, nachdem er sein Legat ausgelobt hatte, musste mit dem Bau begonnen werden. Passiert das nicht, verfällt das Geld.

Die Frist lief am 1. Januar 1869 ab und konnte nur ganz knapp eingehalten werden. Am 17. Oktober 1868 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Bau und noch am selben Tag begannen die Arbeiten. Der Entwurf stammte von den Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden. Er bestand aus zwölf ein- bis zweigeschossigen Pavillongebäuden, die nach der Einweihung Platz für 620 Betten boten.

Mehrfach wurde schon in seinen ersten Jahren um- und ausgebaut. 1882 gab es den ersten eigenen Operationssaal und Ende des 19. Jahrhunderts ein Röntgenkabinett. Bahnbrechend war die auf Initiative des Mediziners und Politikers Rudolf Virchow 1876 eingerichtete Krankenpflegeschule.

Andere Ärzte-Koryphäen haben direkt in Friedrichshain praktiziert. Etwa Ludwig Pick, der von 1906 bis 1933 die Pathologische Abteilung leitete. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er nach der Machtergreifung der Nazis entlassen. Ludwig Pick starb 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Traurige Berühmtheit erhielt das Krankenhaus während des "Dritten Reichs" auch, weil es, wie der gesamte Bezirk Friedrichshain, zwischen 1933 und 1945 nach dem SA-Führer Horst Wessel benannt wurde. Der damals 23-Jährige war im Januar 1930 in seiner Wohnung in der Großen Frankfurter Straße (heute Karl-Marx-Allee) von einem Kommunisten niedergeschossen worden und starb einige Wochen später in der Klinik an der Landsberger Allee.

Während der Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau in den ersten Jahren der DDR ist wiederum eng mit den Ereignissen vom 17. Juni 1953 verbunden. Es waren die Arbeiter auf der Krankenhausbaustelle, die als erste in den Streik traten und so gegen die von der SED-Führung geplante Erhöhung der Arbeitsnorm protestierten. Der Gewerkschaftsfunktionär Max Fettling, der das Schreiben beim Minsterrat abgegeben hatte, wurde nach der Niederschlagung des Aufstandes zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach ihm ist seit 2003 der Platz vor dem Westeingang des Krankenhauses benannt.

Bereits nach dem 17. Juni und erst recht in den Jahren vor dem Mauerbau verließen viele Mitarbeiter die DDR. Die Klinik in Friedrichshain hatte den höchsten Anteil an "republikflüchtigen" Medizinern und Pflegepersonal in ganz Ostdeutschland.

Nach dem Ende der DDR gab es Pläne, den Standort zu schließen. Eine Gruppe von Mitarbeitern um den Chefarzt Siegfried Veit kämpfte für den Erhalt. 1997 wird Friedrichshain zunächst Modellkrankenhaus, vier Jahre später Teil des neuen Klinikkonzerns Vivantes.

Inzwischen geht es längst nicht mehr um einen Ab-, sondern um einen Ausbau. 2011 eröffnete eine neue Rettungsstelle und in diesem Jahr war Baubeginn für das neue Bettenhaus mit 400 Plätzen. Nach seiner Fertigstellung 2018 soll das Krankenhaus im Prenzlauer Berg aufgegeben und an die Landsberger Allee verlagert werden.

Pro Jahr werden im Krankenhaus Friedrichshain mit seinen inzwischen 24 Fachabteilungen rund 110 000 Menschen behandelt. Davon etwa 67 000 stationär und 43 000 ambulant. In der Geburtsklinik kommen jährlich ungefähr 2500 Babys zur Welt. 330 Ärzte, 630 Pflegekräfte sowie 330 weitere Mitarbeiter sind hier beschäftigt.


Thomas Frey / tf
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