Knappes Angebot: Kältehilfe bietet mehr als 200 Schlafplätze im Bezirk an

Eine neue Notübernachtung für Frauen bietet die Arbeiterwohlfahrt an der Petersburger Straße. Robert Schwind, Chef der AWO Spree-Wuhle, und Nadja Stodden, Leiterin der Einrichtung, bei der Eröffnung. (Foto: Thomas Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Am 1. November öffneten auch in Friedrichshain-Kreuzberg viele Notübernachtungsorte für Obdachlose während der Wintermonate.

Bis Ende März stehen im Rahmen der Kältehilfe täglich mehr als 200 Schlafplätze zur Verfügung. Fast die Hälfte davon allerdings voraussichtlich erst ab Ende November. Dann soll, wie schon im vergangenen Jahr, auch die HalleLuja-Tragluftunterkunft der Berliner Stadtmission unweit des Bahnhofs Frankfurter Allee in Betrieb gehen. Dort können rund 100 Menschen aufgenommen werden.

Bereits jetzt gibt es etwa 80 Übernachtungsangebote für Männer sowie 33 für Frauen, die jeden Abend genutzt werden können. Dazu kommen an einigen Orten Quartiere, die an bestimmten Wochentagen geöffnet sind. In der evangelischen Tabor-Kirchengemeinde, Taborstraße 17, an jedem Dienstag für 40 Personen, beim Verein ObDach? im Gemeindehaus der Samariterkirche, Samariterstraße 27, sowie im Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, gibt es immer am Donnerstag jeweils 25 Plätze. Im Mehringhof sind sechs davon für Frauen reserviert.

Insgesamt wurde im Bezirk gerade die Kältehilfe für weibliche Obdachlose ausgeweitet. Zum Beispiel durch die im Frühjahr eröffnete Notübernachtung "Mitten im Kiez" der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Petersburger Straße 92 mit zwölf Betten. Weitere sechs Schafstellen für Frauen und zehn für Männer bietet die AWO an der gleichen Adresse in ihrem Kiez-Café.

Ob die Plätze, nicht nur im Bezirk, ausreichen, hängt auch von der Witterung der kommenden Wochen und Monate ab. Bei Temperaturen von null Grad und darunter wird die BVG erneut die U-Bahnhöfe Südstern und Schillingstraße in Mitte offen halten.

Akteure in der Kältehilfe beklagen bereits jetzt berlinweit ein Defizit von mindestens 100 Übernachtungsangeboten. Außerdem kritisieren sie die zu geringe Finanzierung vom Senat. Sie benötigten pro Schlafplatz eigentlich 25 Euro, würden aber nur 17 bekommen.

Umgerechnet auf die geschätzt bis zu 7000 Menschen, die in der Stadt auf der Straße leben sollen, decken die Notquartiere ohnehin nur einen eher geringen Teil ab. Für Friedrichshain-Kreuzberg gehen Prognosen von etwa 1000 Obdachlosen aus.

Von denen wehren sich viele, selbst bei extrem kalten Nächten gegen den Besuch einer Unterkunft. Die Helfer in den Kälte- und Wärmebussen, die jetzt wieder regelmäßig unterwegs sind, müssen oft alle Überredungskünste aufbringen, um sie zum Einsteigen zu bewegen. Viele Notquartiere nehmen Gäste, die ihnen die Busse bringen, noch spät am Abend oder sogar die ganze Nacht lang auf. Wenn es nicht anders geht selbst dann, wenn ihre Einrichtung eigentlich schon voll belegt ist. tf
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