Viel Wirbel um Bingospiele im Seniorentreff

Eifrig Bingo gespielt wird noch im Seniorentreff in der Gneisenaustraße. (Foto: Frey)

Friedrichshain-Kreuzberg. Bingo ist eine beliebtes Spiel, gerade bei der älteren Generation. Es steht deshalb in mehreren Seniorenfreizeitstätten regelmäßig auf dem Programm.

Allerdings nicht mehr in der Begegnungsstätte in der Charlottenstraße 85. Dort wurden die Bingo-Nachmittage im vergangenen Jahr untersagt. Begründung: Hier handelt es sich um ein Glücksspiel.

Bekannt wurde das Bingo-Problem an diesem Standort bei der jüngsten Sitzung der Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg. Vorgebracht hat es Charlotte Oberberg (90), nicht nur als Mitglied dieser Bingo-Gruppe, sondern auch eine Kämpferin für die Belange der Senioren im Bezirk. Dass ihr harmloses Vergnügen in die Nähe der Zockerei gerückt wurde, leuchtete ihr erst recht nicht ein. "Für eine Karte bezahlte jeder Spieler bei uns 1,20 Euro. Sie galt für drei Runden." Macht also 40 Cent pro Runde. So viel wie ein Tasse Kaffee im Seniorenzentrum kostet. Das eingenommene Geld ging auch nicht einfach an die Sieger. Vielmehr wurden davon kleine Geschenke gekauft. Kekse, Seife oder eine Handcreme. Nach Ausnehmen hilfloser Rentner sieht das wirklich nicht aus.

Daran denkt man aber unwillkürlich beim Stichwort Glücksspiel. Erhoben hatte ihn der Landesrechnungshof. Das Seniorenamt folgte dieser Vorgabe und beendete die Bingo-Nachmittage in der Charlottenstraße. Was auch Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) etwas verwunderte, als er durch Charlotte Oberberg zum ersten Mal davon hörte. "Es ist zwar richtig, dass der Rechnungshof der Verwaltung auf die Finger schaut. Aber er sollte sich nicht um jedes Detail kümmern", so seine erste Reaktion.

Erst recht wunderten sich die Betroffenen, als sie erfuhren, dass in anderen Freizeitstätten des Bezirks das Bingo-Spiel weiter praktiziert wird. Etwa in der Kadiner Straße oder in der Gneisenaustraße. Warum die Altersgenossen dort dem Spaß weiter frönen können, sie aber nicht, war natürlich die nahe liegende Frage.

Mit ihr sind wir dann endgültig in das Feld der Verwaltungsvorschriften vorgestoßen. Denn das Problem bei Bingo sei nicht unbedingt das Spiel an sich, sondern wer es anbietet, macht Heike Effertz vom Seniorenamt deutlich. "In der Charlottenstraße war es so, dass die Bingo-Nachmittage von unseren Mitarbeitern veranstaltet wurden." Das sei aber nicht statthaft gewesen und habe deshalb den Rechnungshof auf den Plan gerufen. Denn Angehörigen der Verwaltung sei es untersagt, irgendwelche externen Kassen und Abrechnungen zu führen. Und sie sollen auch Spielen mit noch so geringen Geldeinsätzen nicht durch eigenen Einsatz Vorschub zu leisten. Anders sei das dagegen, wenn die Bingo-Runden durch die Besucher selbst oder einen externen Träger organisiert werden. So wie das in den anderen Einrichtungen der Fall ist. Deshalb wird jetzt überlegt, auf ähnliche Weise auch das Problem in der Charlottenstraße zu lösen.

Heike Effertz gibt zu, dass dieses Problem für Außenstehende schwer zu verstehen ist. Aber es gelte einfach Interessenkollissionen zu vermeiden. Und sei es auch nur bei den Mini-Beträgen, die beim Bingo anfallen.

Charlotte Oberberg macht dagegen eine andere Rechnung auf. "Seit wir kein Bingo mehr haben, kommen viele Leute nicht mehr in die Freizeitstätte." Weniger Besucher würden sich aber negativ auf die Kosten- und Leistungsrechnung auswirken. Was dem Rechnungshof sicher auch nicht gefällt.


Thomas Frey / tf
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