"Wir brauchen Geld!": Das FamoX trommelt für finanzielle Unterstützung durch den Bezirk

Auch mit diesem Schriftzug am Gebäude in der Scharnweberstraße macht das FamoX auf seine Lage aufmerksam. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Familienzentrum FamoX |

Friedrichshain. Die Signalworte tauchten in der Mail bereits in der Überschrift auf. Sie lauteten "Drohende Schließung".

Der Absender war das Familienzentrum FamoX an der Scharnweberstraße. Es feierte am 12. September sein dreijähriges Bestehen. Zum Fest kam unter anderem das Ensemble des verstorbenen Liedermachers Reinhard Lakomy, auch als Unterstützung für den größten Geburtstagswunsch: finanzielle Hilfe, vor allem vom Bezirk. Das FamoX benötigt nach eigenen Angaben von dort rund 50 000 Euro. 200 000 Euro betrage der Gesamtetat, 100 000 davon seien noch nicht gedeckt. Die restlichen 50 000 sollen durch Sponsoren und Spenden akquiriert werden.

Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, laufen auch eine Unterschriftenaktion und eine Online-Petition, und die Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 5. September wurde von zahlreichen regelmäßigen Nutzern der Einrichtung besucht. Vor allem von Frauen und Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Wobei speziell die Kleinen natürlich nicht wirklich wussten, warum sie dort waren. Auch auf diese Weise auf die Situation aufmerksam zu machen, sei ihnen unter anderen von Mitgliedern des Ausschusses geraten worden, sagt Office Managerin Madlen Fleer. Schon weil die Zeit jetzt dränge. Bis Ende des Monats müsste Klarheit bestehen.

Das FamoX erfreut sich großer Nachfrage. Auch die Arbeit dort wird allgemein gelobt. Die Sache hat nur einen Haken: Als die Einrichtung vor drei Jahren startete, wurde ihr vom Bezirk klar gemacht, dass ein weiteres Angebot für Familien natürlich zu begrüßen sei, allerdings könne es nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen. Denn es gebe allein in dieser Gegend bereits zwei weitere solcher Zentren. In der Ausschusssitzung wies vor allem Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) noch einmal auf diese ursprüngliche Ausgangslage hin.

Sie wird auch von Madlen Fleer nicht bestritten. Aber seither habe sich einiges geändert. Die Resonanz sei nicht unbedingt vorhersehbar gewesen. Auch im Konzept sieht sie ein Alleinstellungsmerkmal. "Wir sind ein offenes Haus, wo jeder auch ohne Voranmeldung hinkommen kann." Gerade dieser niederschwellige Zugang spreche viele Menschen an.

Das alles sei bedroht, wenn es nicht schnelle Hilfe gebe, macht sie noch einmal klar. Aber gerade dieser Alarmismus scheint auch etwas zu irritieren. Gebe es nicht bald Unterstützung, könne er bereits im nächsten Monat manche Ausgaben nicht mehr tätigen, erklärte Jürgen Grieger, Geschäftsführer des FamoX-Trägers oXxymoron. Was die Bürgermeisterin mit dem Hinweis konterte, es sei ja nicht so, dass Friedrichshain-Kreuzberg der Einrichtung einfach den Geldhahn zudrehe. Bisher habe sie keine Mittel bekommen. Werden sie jetzt benötigt, könne der Träger einen Antrag stellen. Und dann werde darüber entschieden.

Madlen Fleer wehrt sich gegen den Eindruck, das FamoX würde wegen seiner Notlage dem Bezirk die Pistole auf die Brust setzen. "Sollte der entstanden sein, so ist das falsch und nicht gewollt." Allerdings gebe es schon länger Gespräche, die bisher kein Ergebnis gebracht hätten. Dabei sei vor allem auf die Haushaltsberatungen verwiesen worden. Die laufen derzeit und deshalb wäre das Anliegen inzwischen öffentlich gemacht worden. "Wir fordern auch nicht, sondern wir bitten", stellt sie klar. Aber sie bräuchten bald eine Entscheidung. tf
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