Geht jetzt endlich ein Licht auf? Eine Leuchte im Wirrwarr des Behördendschungels

Ein beschädigter Mast und eine provisorische Laterne. Seit mehr als einem Jahr gibt es dieses Bild an der Frankfurter Allee. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Frankfurter Allee/Proskauer Straße |

Friedrichshain. Olaf Weidner beweist Humor. E-Mails zum jeweiligen Stand der Dinge tragen bei ihm die Überschrift "Laterne, Laterne...".

Olaf Weidner ist der Pressesprecher von Stromnetz Berlin, der Vattenfall-Tochter, die für die öffentliche Beleuchtung in der Stadt zuständig ist. In dieser Funktion war er erster Ansprechpartner für ein Problem, das schon seit einem Jahr einer Lösung harrt.

An der Frankfurter Allee, nahe der Kreuzung Proskauer Straße, hatte es am 20. Juli 2016 einen schweren Unfall gegeben. Ein Lkw war mit einem Roller zusammengestoßen. Benzin entzündete sich, der Laster brannte völlig aus. Durch die riesige Rauchwolke wurden auch ein Laternenmast sowie die historische Lampe beschädigt. Als Ersatz leuchtet seither ein Provisorium. Dabei sollte doch der ursprüngliche Zustand sehr schnell wieder hergestellt werden.

Weil das auch nach über einem Jahr noch nicht passiert ist, fragten mehrfach Leser der Berliner Woche an, wann damit jetzt endlich zu rechnen sei. Ein berechtigtes Anliegen, zumal Olaf Weidner bei einem ersten Nachhaken im Januar die Ansicht vertreten hatte, im zweiten Quartal 2017 werde sich dort wieder eine artgerechte Laterne befinden. Also beginnt der Versuch einer Aufklärung auch jetzt bei ihm. Sie führt dann aber in das Dickicht der Berliner Verwaltung.

Er müsse sich erst einmal selbst kundig machen, sagt der Sprecher beim Aufschlag. Was derzeit wegen der Urlaubszeit nicht so einfach ist, wie er in der folgenden Laterne-Mail ausführt. Aber Olaf Weidner kümmert sich und kann kurz darauf vermelden, dass sein Unternehmen das entsprechende Material bereits vorrätig habe. Auch eine Firma wäre schon beauftragt. Allerdings gebe es Probleme mit den Genehmigungen für die Bauausführung. "In der Tat läuft die Lösung überhaupt nicht optimal", konstatiert er.

Eingriffe in das öffentliche Straßenland sind in Berlin eine diffizile Angelegenheit. Erst recht in so einem Fall wie an der Frankfurter Allee. Da müssen nämlich mehrere Behörden ihr Einverständnis erklären oder zumindest konsultiert werden. Da wäre zunächst der Bezirk, in welcher Verantwortlichkeit ist auch nach einigen Gesprächen nicht ganz klar. Das Tiefbauamt verweist auf die untere Straßenverkehrsbehörde, die auf das Grünflächenamt, denn an der betreffenden Leuchte führt zum einen ein Radweg vorbei, zum anderen gibt es dort auch einen Rasenbereich. In einem sind sich allerdings alle in Frage kommenden Friedrichshain-Kreuzberger Verwaltungsstellen einig. Ein Ersuchen zu Arbeiten an der Laterne ist bei ihnen nicht eingegangen. Zumindest wäre es nicht erinnerlich. Entscheidend sei aber ohnehin die Verkehrslenkung Berlin. Sie ist sozusagen der Ober-Player in diesem Spiel. Schon weil für die Restaurierung auch die rechte Fahrspur teilweise gesperrt werden müsste. Bei einer übergeordneten Magistrale wie der Allee liegt das wiederum in der Verantwortung des obersten Berliner Verkehrsamtes.

Also auch hier der Versuch einer Annäherung. Fragen würden nur schriftlich beantwortet, so gleich der erste Hinweis. Sie wurden am 29. August abgeschickt. Die Antwort stand auch beim Abfassen dieses Artikels, mehr als eine Woche später, noch aus.

Aber immerhin, hinter den Kulissen scheint sich etwas getan zu haben. Olaf Weidner informiert darüber. Nachdem nun wohl diverse Behörden miteinander gesprochen hätten, soll ab der 38. Kalenderwoche repariert werden, berichtet er. Das wäre ab dem 18. September. Ob das zutrifft, wird sich in Kürze erweisen. "Wir bleiben dran", verspricht der Stromnetz-Sprecher. Und versieht seinen bisher letzte Laterne-Post mit einem Smiley. tf
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1 Kommentar
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Mehmet Durak aus Reinickendorf | 28.10.2017 | 21:13  
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