Kiezspaziergang zeigt Hindernisse im öffentlichen Raum

Wenn Frank Zeise auf Straßen und Gehwegen unterwegs ist, wird er mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Schon der starke Regen macht Frank Zeise zu schaffen. Denn er weiß nie, welche Unwägbarkeiten ihn bei einer großen Pfütze erwarten. Noch größer ist das Problem, wenn er an manchen Stellen auf den Gehweg kommen will. Oft sind die Bordsteine zu hoch für ihn.

Frank Zeise sitzt im Rollstuhl. Aber nicht nur er, sondern auch viele ältere oder gebrechliche Menschen werden im öffentlichen Raum mit zahlreichen Barrieren konfrontiert. Um darauf aufmerksam zu machen, lud das Netzwerk "Die Rampenleger" am 25. März zu einem Spaziergang rund um die westliche Singerstraße. Die Rampenleger setzen sich für den alters- und behindertengerechten Umbau von Wohnungen und des Wohnumfeldes ein. "Was schon aus demographischen Gründen immer wichtiger wird", meint Sprecherin Luna Christine Weineck.

Deshalb wurde auch die Gegend zwischen Andreas- und Krautstraße für den Spaziergang ausgewählt. Hier leben viele Senioren. Volker Bock von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM)schätzt ihren Anteil auf rund 40 Prozent. Wobei er aber bereits die Generation 50plus mit einrechnet.

An Bock und seine WBM-Kolleginnen richteten sich auch die meisten Einwände. Etwa an der Kleinen Andreasstraße. Dort sind viele Häuser nur über einen Weg zu erreichen. An dessen Enden befinden sich Schranken. "Für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, bedeutet das ein Hindernis", meinte Netzwerk-Mitglied René Schulze. Selbst der Krankenwagen könne nicht ohne weiteres vorfahren. Vorgeschlagen wurde deshalb, dass zumindest eine Schranke fällt oder die Mieter die Möglichkeit bekommen, sie elektronisch zu öffnen.

Vor einem der Häuser steht eine geschlossene schwarze Box. Sie wurde für eine gehbehinderte Frau errichtet, die dort ihren Rollstuhl unterstellen kann. Eigentlich eine gute Idee, fanden die Rampenleger. Noch besser wäre aber ein größerer Unterstand auch für Kinderwagen oder Rollatoren. Probleme für Menschen mit einem Handicap sahen sie auch bei manchen Mülltonnen.

Die meisten Häuser haben keinen Aufzug. Zumindest für die Bewohner im Hochparterre sollte deshalb ein barrierefreier Zugang eingerichtet werden. Eine Möglichkeit wäre eine Art Hebebühne, die an der Balkonseite angebracht wird. Kosten: ab 8000 Euro. Das sahen viele Bewohner eher skeptisch. Insgesamt gebe es beim Thema Aufzug bisher eher Zurückhaltung, meinte Volker Bock. Schon allein, weil ein Einbau dann auf die Nebenkosten der Miete umgelegt wird.

Zu einer Wohnung in der Kleinen Andreasstraße führt eine lange Rampe. Ihr Zugang ist also barrierefrei. Allerdings wohnt dort jemand, der diese Hilfe nicht braucht. Die WBM sollte stärker darauf achten, wer wo einzieht, forderte Ulrike Ehrlichmann, die Behindertenbeauftragte des Bezirks. "Geholfen wäre schon, wenn zum Beispiel ein älterer Bewohner aus dem vierten Stock in den ersten ziehen kann, wenn dort etwas frei wird." Die Wohnungsbaugesellschaft müsste dann allerdings den alten Mietvertrag weiter gelten lassen.

Aber es ging nicht nur um Probleme im direkten Wohnumfeld, sondern auch im Straßenland. Womit wir wieder bei Frank Zeise wären, der dort manchen Schlaglöchern ausweichen muss. "Wenn ich da nicht aufpasse, haut es mich aus meinem Gefährt." Ein weiteres Ärgernis fand sich an der Kreuzung Kraut- und Neue Blumenstraße. Dort ist der Bürgersteig zwar vorschriftsmäßig abgesenkt. Aber direkt davor befindet sich ein Pfosten.


Thomas Frey / tf
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