Kommentar: Nicht gleich wieder abzocken!

Die Parkraumbewirtschaftung ist in den vergangenen Jahren in Friedrichshain-Kreuzberg von einer Art Schmuddelkind zu einem Lieblingsbaby geworden. Zwei Dinge trugen dazu entscheidend bei. Erstens: Bewohner in Parkraumzonen haben erfahren, dass sie dadurch wirklich bessere Chancen auf einen freien Abstellplatz für ihr Auto bekommen. Und zweitens: Die Anwohnervignette ist mit 20,40 Euro für zwei Jahre sehr günstig.

Nun will der Senat an der Preisschraube drehen und die Kosten für das Dauerticket eventuell verdoppeln. Zumindest gehen Äußerungen von Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne) in diese Richtung.

Zugegeben, auch knapp 41 Euro wären wohl für die meisten noch bezahlbar. Trotzdem ist der mögliche Tarifanstieg das falsche Signal. Er sorgt für Ärger bei vielen Menschen, die sich inzwischen mit der Parkraumbewirtschaftung angefreundet haben, weil sie ihnen Vorteile bringt und damit das Ziel von weniger Verkehr von Ortsfremden in Wohngebieten erreicht wird. Wird den Anwohnern künftig tiefer in die Tasche gegriffen, dann könnte der Vorwurf der Abzocke die aktuelle Akzeptanz ablösen.

Sollte sich der Senat nicht mehr vom Drehen an der Kostenschraube abbringen lassen, müsste es im Gegenzug einige Vergünstigungen geben. Zum Beispiel die Erlaubnis für Anwohner, nicht nur die für sie vorgesehene, sondern zumindest auch die benachbarte Parkzone nutzen zu können. Etwa entlang der Warschauer Straße, wo derzeit das Abstellen des Autos auf der jeweils anderen Straßenseite durch die Bewohnervignette nicht gedeckt ist.
Thomas Frey
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Waltraud Both aus Kreuzberg | 20.04.2017 | 14:53  
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