Pay-TV-Anbieter erhöht erneut die Preise

Friedrichshain-Kreuzberg. Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Der WM-Titel dürfte auch das Interesse an der ersten Bundesliga noch einmal steigern, die am 22. August in die neue Saison startet.

So scheint auch der Pay-TV-Sender Sky zu kalkulieren und wird zum 1. September erneut die Preise in vielen Fußballkneipen erhöhen. Was dort natürlich zu entsprechendem Frust führt.

Rund 3000 Euro im Jahr müsse er künftig mehr zahlen, erzählt Michael Reinhardt, Wirt des "Bier Express" am Mehringdamm. Binnen eines Jahres sei das bereits der zweite kräftige Aufschlag. "Zum Ausgleich dürfen wir jetzt neben Fußball, Formel 1, Wrestling und Golf auch noch Beachvolleyball zeigen. Das macht die Hütte sicher voll", kommentiert er dieses Angebot ironisch.

Schon bisher ließe sich mit den meisten Bundesliga- und Champions League Spieltagen keine großen Reichtümer erwirtschaften, meint Michael Reinhardt. "Die Berechnungen von Sky, dass jeder Gast im Schnitt dabei mehr als 18 Euro verkonsumiert, sind der absolute Witz." Die Realität sehe so aus, dass sich die meisten während der 90 Minuten an einem oder zwei Getränken festhalten.

Trotzdem will der Bier Express auch künftig auf den Fußball-Service nicht verzichten und zahlt genervt das höhere Salär. "Das kann ich nicht anders machen, schon weil sich manche Stammkunden darauf verlassen", sagt der Wirt.

Andere Kollegen haben dagegen die Konsequenzen gezogen und werden ihre Lokale ab September zur TV- freien Zone erklären. Etwa Joachim Mühle vom "Valentins" an der Hasenheide. Die bisher letzte Erhöhung vor einem Jahr habe er noch zähneknischend mitgemacht, aber jetzt sei Schluss. "Statt bisher 370 Euro brutto würde mich das jetzt 460 Euro netto im Monat kosten." Das sei absolut nicht mehr lukrativ, zumal die meisten seiner Gäste nicht wegen Fußball kommen, sondern höchstens mit auf den Monitor schauen, wenn gerade ein Spiel läuft.

Ebenso wie Michael Reinhardt hat auch Joachim Mühle den Eindruck, dass Sky überhaupt kein großes Interesse an die eher kleineren Kneipenabbonenten habe. Wahrscheinlich seien die der Meinung, wenn nur einige der Besucher, die bisher ins Lokal kamen, sich jetzt selbst ein Pay-TV zulegen, habe sich die Kündigung bereits amortisiert.

Von Sky werden solche Befürchtungen natürlich bestritten. Die Preiserhöhungen seien unter anderem den steigenden Kosten aus dem Vertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) geschuldet. Außerdem wird dort darauf verwiesen, dass es auch nicht flächendeckend in Deutschland zu höheren Sätzen kommen werde. In manchen Gebieten müsste sogar weniger bezahlt werden.

Wie hoch der Betrag im einzelnen ist, hängt von verschiedenen Faktoren, wie Standort, Kaufkraft des Ortes, Größe des Lokals und auch davon ab, ob es in der Stadt einen Bundesligaverein gibt. Was dazu führt, dass jetzt vielleicht ein Anbieter in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern einen Rabatt bekommt, aber in Berlin genau das Gegenteil der Fall ist.


Thomas Frey / tf
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