Unterm Regenbogen haben alle Platz: Ines Pavlou und ihr Familiencafé Amitola bekamen Berliner Inklusionspreis

Ines Pavlou erhielt den Berliner Inklusionspreis. (Foto: privat)
Berlin: Amitola |

Friedrichshain. Der junge Mann räumt geschäftstüchtig das Geschirr von den Tischen. Er macht das mit der erwarteten Routine. Von einem Handicap ist auf den ersten Blick nichts zu merken.

Der Mitarbeiter gehört zu aktuell drei Beschäftigten mit einer Behinderung, die zur Belegschaft im Familiencafé Amitola gehören. Seit 2009 bietet Chefin Ines Pavlou Jugendlichen, etwa mit einer Lernschwäche oder ohne Schulabschluss, die Möglichkeit einer Berufsausbildung. Gut ein Dutzend Menschen waren es bisher. Für dieses Engagement wurde sie Ende November mit dem Berliner Inklusionspreis 2015 im Bereich Kleinunternehmen ausgezeichnet. Er ist mit 10 000 Euro dotiert.

Ines Pavlou ist selbstbewusst genug, den Preis für sich und ihre ganze Belegschaft völlig in Ordnung zu finden. Zumal es noch immer genug Unternehmen gebe, die Benachteiligten keine Chance einräumen. Für sie ist das dagegen eine ganz normale Sache. Und allein zu sehen, wie die Azubis zunächst eher orientierungslos und deprimiert ihre Arbeit antreten und am Ende voller Energie stecken und eine Perspektive haben, mache sie stolz.

So muss wohl jemand argumentieren, der seinem Betrieb den Namen "Amitola" gegeben hat. Der Begriff kommt aus dem indianischen und heißt übersetzt Regenbogen. Er steht für eine bunte Vielfalt, unter dem alle Platz haben. Und damit auch für ihr Geschäftskonzept. 2007 eröffnete die 44-Jährige ihren ersten Laden in der Gärtnerstraße. Sie bot dort zunächst vor allem Second-Hand Kinderbekleidung an. Schnell kamen Kurse, etwa zur Erziehung, aber auch im Kreativbereich hinzu.

2010 folgte der Umzug an die Krossener Straße. Dort gibt es seither das volle Programm für Kinder und ihre Eltern. Tanz-, Ballett oder Musikangebote zum Mitmachen, Yoga und Gymnastik, eine Keramikmalwerkstatt, Theater- und Musikaufführungen. Und nicht zu vergessen das Familiencafé, einschließlich Spielecke.

Das Amitola ist deshalb schnell zu einem Kieztreffpunkt geworden. Entgegen kam Ines Pavlou dabei natürlich die große Zahl an kleinen Kindern, die inzwischen in Friedrichshain leben. Aber genauso ihre zahlreiche Aktivitäten und ihr Talent als unermüdliche Netzwerkerin. Von Anfang an war ihr Geschäft auch eine Art Umschlagplatz für die neuesten Nachrichten oder aktuelle Probleme im Quartier. Und inzwischen gilt das nicht nur für Friedrichshain, denn seit kurzem hat Ines Pavlou in Karlshorst einen weiteren Amitola-Ableger eröffnet.

Ein bunter Betrieb, zu dem ganz selbstverständlich auch Menschen mit Behinderungen gehören. Für das kommende Jahr soll es bei ihr einen weiteren Ausbildungsplatz geben.

Weitere Informationen zum Amitola finden sich auf der Website: www.amitola-berlin.de. tf
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