Die Löwen nach 44 Jahren zurück: Venezianischer Brunnen steht wieder in Kladow

Zerlegt und verpackt kam der Brunnen in Kladow an. Gerhard Hanke (links) half beim Auspacken. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Die Löwen sind ausgepackt. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Haus Kladower Forum |

Kladow. 44 Jahre war er im Exil. Jetzt ist der Venezianische Löwenbrunnen nach Kladow zurückgekehrt. Im Frühjahr 2017 soll er im Garten des Hauses Kladower Forum wieder sprudeln.

Die wertvolle Fracht brauchte ihre Zeit. Ganze drei Stunden war der Transporter vom Wilmersdorfer Rathaus nach Kladow unterwegs. Gegen zwölf Uhr mittags war es dann soweit. Der Venezianische Löwenbrunnen berührte nach 44 Jahren im Exil endlich wieder Spandauer Boden und das Herz von Rainer Nitsch. Denn für den 1. Vorsitzenden des Kladower Forums erfüllte sich am 9. August ein lang ersehnter Wunsch. „Der Brunnen ist zurück. Aber nicht nur ich, sondern alle Kladower haben darauf gewartet“, sagte er.

Bis der über 200 Jahre alte Marmorbrunnen aber wieder sprudelt, wird es noch ein bisschen dauern. Zwei der vier Löwen sind stark beschädigt und müssen restauriert werden. Zudem braucht der Brunnen ein Fundament und einen Wasseranschluss. Im Frühjahr 2017 zur 750-Jahr-Feier Kladows wird das Wasserspiel dann aber wieder zu bewundern sein – im Garten des Hauses Kladower Forum am Kladower Damm 387, direkt am zentralen Dorfplatz.

Der Weg des Löwenbrunnens zurück nach Kladow war nicht nur logistisch beschwerlich. Ihn überhaupt wieder in den Bezirk zu holen, erwies sich als äußerst mühsam. Es begann im Jahr 1992, als sich Rainer Nitsch zur 725-Jahrfeier des Ortsteils auf die Suche nach dem Brunnen machte. Von einem Steinmetz einst in Venedig gefertigt, schmückte der Löwenbrunnen ab 1911 den Innenhof des „Schlosses Brüningslinden“ in Kladow. Nach Abriss des Schlosses 1972 ging der Brunnen an einen Privatbesitzer, der ihn auf sein Weingut nach Rheinhessen brachte. Diesen Besitzer machte Rainer Nitsch zwar ausfindig. Doch der Brunnen war längst an die Berliner Bank verkauft. Die wiederum hatte ihn 1988 dem damaligen Bezirk Wilmersdorf gestiftet. Dort stand er dann mehr als zwei Jahrzehnte im Hof des Rathauses am Fehrbelliner Platz, bis das Rathaus 2015 aufgegeben und als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wurde. Der Brunnen wurde abgebaut, zerlegt und landete verpackt im Rathauskeller.

Indes wurde in Spandau die Rückkehr des Brunnens vorangetrieben. Kulturstadtrat Gerhard Hanke verhandelte zäh mit seiner Wilmersdorfer Kollegin Dagmar König (beide CDU) über die Rückgabeformalitäten. Und Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) holte von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) als Eigentümerin des Wilmersdorfer Rathauses die Zustimmung. Im März dieses Jahres konnte Gerhard Hanke dann die frohe Botschaft verkünden: Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf war bereit, den Brunnen an die Spandauer herauszugeben.

„Der Brunnen gehört jetzt dem Kunstamt Spandau. Und wir haben ihn dem Kladower Forum als Dauerleihgabe übergeben“, informierte Hanke. Die Bedingung: Der Verein muss für Pflege und Unterhaltung des Brunnens aufkommen. Der sagte natürlich zu, und auch für das Bezirksamt war die Einwilligung des Vereins ein Glücksfall. Denn im Garten des Bürgerhauses ist der Brunnen sicher. „An jedem anderen Standort hätten wir ihn dagegen der Gefahr ausgesetzt, beschädigt oder gar gestohlen zu werden“, so Hanke.

Die Kosten für den Brunnen will das Kladower Forum über Spenden finanzieren. Rainer Nitsch setzt da fest auf die Kladower. „Die ersten haben bereits gespendet und dafür auf Geburtstagsgeschenke verzichtet“, erzählte er. Auch Firmen werden als Sponsoren gesucht, zum Beispiel für das Verlegen der Wasserleitung. Den Transport des Brunnens nach Kladow hatte kostenfrei das Fürstenwalder Wohnungsbauunternehmen Bonava übernommen. uk
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