"Kleine Badewiese": Landesamt rät erneut vom Baden ab

Warnschild an der "Kleinen Badewiese": Wer trotzdem Schwimmen geht, sollte kein Wasser schlucken und die Badesachen sofort wechseln. (Foto: Ulrike Kiefert)

Gatow. Mit der Temperatur steigt die Badelust der Spandauer. Doch Vorsicht, nicht überall ist es um die Wasserqualität gut bestellt. So wird an der "Kleinen Badewiese" wiederholt vom Baden abgeraten.

An vier der fünf Badestellen in Spandau ist die Wasserqualität gut. Einzig die "Kleine Badewiese" an der Unterhavel ist mit Vorsicht zu genießen. Dort rät das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) aus hygienischen Gründen ganz vom Baden ab. Denn die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen der letzten vier Jahre wiesen erhöhte Darmbakterien-Werte auf, insbesondere der Escherichia Coli, und genügen damit nicht den Qualitätsanforderungen der Badegewässerrichtlinie der Europäischen Union. Für die Badestelle bleibt die Note "mangelhaft" darum auch in diesem Jahr bestehen. Den Grund für die hohe Keimzahl sieht das Lageso vor allem in der Verschmutzung der Spree und den innerstädtischen Regenwassereinleitungen. "Besonders bei Starkregen können dann mikrobiologische Verunreinigungen in der Unterhavel unterhalb der Spreemündung auftreten", sagt Lageso-Präsident Franz Allert. Um die genauen Ursachen der Verschmutzung zu ermitteln, laufe derzeit ein Untersuchungsprogramm des Landesamtes mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das neue Klärwerk in Ruhleben schließt das Lageso als möglichen Verursacher der Verunreinigungen aus. Für die Keimbelastung an der Badestelle sei das Klärwerk nicht ursächlich, so Franz Allert.

Bei der neuen Klärmethode in Ruhleben wird das Abwasser von rund einer halben Million Berliner zunächst mechanisch und biologisch gereinigt und das Klarwasser dann mit UV-Licht desinfiziert. Keime und Bakterien, die bei den ersten Reinigungsstufen durch die Lappen gehen, werden mit der neuen Technik fast vollständig eliminiert. "So stellt die Anlage sicher, dass bei der Einleitung des gereinigten Abwassers in die Spree Badegewässerqualität erreicht wird", sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Eine fehlerhafte Filterung schließt er somit aus. Regelmäßige Beprobungen und Kontrollen der Einleitstellen würden das bestätigen. Für die Verunreinigungen in der Unterhavel könnte vielmehr das Schmutzwasser verantwortlich sein, das von Schiffen, Booten oder Kleingartenanlagen nicht ordnungsgemäß entsorgt werde, vermutet Stephan Natz.

An den Badestellen Breitehorn, Bürgerablage sowie Groß Glienicker See nördlich und südlich ist das Baden dagegen unbedenklich. Das gilt auch für die meisten anderen Berliner Badestellen, die fast alle mit "ausgezeichnet" bewertet wurden. Nach Angaben des Lageso sind die guten Werte vor allem der sehr hohen Selbstreinigungsfähigkeit der Berliner Seen und Flüsse zu verdanken.

Über die aktuelle Qualität der Berliner Badegewässer informiert das Lageso über das Badegewässertelefon unter 902 29 55 55. Bürozeiten sind von 7 bis 19 Uhr.

Ulrike Kiefert / uk
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