Reifen wechseln, Schläuche flicken: Gatower machen Flüchtlinge mobil

Am Montageständer hängt ein Frauenrad. Max Weithmann fixiert das Vorderrad. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Im Maschinenraum lagert die Reserve der Fahrradwerkstatt. (Foto: Ulrike Kiefert)
Berlin: Erstaufnamestelle Waldschluchtpfad |

Gatow. Ob zum Deutschkurs oder Einkauf: Die Fahrradwerkstatt in der Erstaufnahme am Waldschluchtpfad macht Flüchtlinge mobil.

Ein Dutzend Fahrräder lehnt an der Wand, es riecht nach Öl, und in den Regalen stapelt sich das Werkzeug. Die Fahrradwerkstatt, in der Ehrenamtliche Räder überprüfen, reparieren und wieder verkehrstauglich machen, hat zum Frühjahr wieder Hochkonjunktur. „Es ist ein Angebot für Flüchtlinge“, sagt Max Weithmann. Es soll sie mobiler machen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in Spandau schneller fortzubewegen. „Und wir wollen den Flüchtlingen eine Beschäftigung bieten, die ihren Alltag etwas strukturiert.“

Max Weithmann gehört zum Willkommensbündnis Gatow/Kladow, in dem sich 80 ehrenamtliche „Starthelfer“ für Flüchtlinge engagieren. Die Fahrradwerkstatt in der Erstaufnahme „Awo Refugium“ am Waldschluchtpfad 27 ist eines ihrer Projekte. Eröffnet vor rund eineinhalb Jahren hält das unermüdliche Engagement der Ehrenamtlichen die Werkstatt am Laufen. Immer donnerstags zwischen 11 und 16 Uhr reparieren Max Weithmann, Manfred Borchert und Peter Wysiecki abgesprungene Ketten und kaputte Lichter, wechseln Reifen, bringen Schaltungen an und flicken Schläuche. Alle 14 Tage werden fünf bis sechs fertige Räder an Bewohner der Unterkunft ausgegeben. Die Warteliste ist lang. „100 Vorbestellungen haben wir zur Zeit“, sagt Max Weithmann. Vor allem Kinderräder sind begehrt. Erst kürzlich sei ein Vater da gewesen, der wollte sieben Fahrräder für seine Kinder.

Die Bestellungen nimmt Peter Wysiecki entgegen. Akribisch führt er Buch darüber, viele Fahrräder schon ausgegeben wurden. Etwa 260 sind es seit die Werkstatt am Netz ist. „Jedes Rad wird nummeriert und mit dem Hinweis notiert, ob es verkehrstauglich ist, ein Schloss oder einen Fahrradhelm hat“, erklärt Peter Wysiecki. Wer eins will, muss seinen Namen und die Zimmernummer nennen und bei der Ausgabe unterschreiben. Denn die gespendeten Räder werden nur ausgeliehen. Bewohner, die ausziehen, müssen sie zurückbringen, denn sie sind Eigentum der Awo, die für die Ersatzteile aufkommt. Die Rückgabe funktioniert aber nicht immer. „Manchmal werden die Räder einfach irgendwo an der Straße stehengelassen. Mit viel Glück finden wir sie wieder“, so Max Weithmann. Mitunter verstehen die Flüchtlinge auch nicht, warum sie solange auf ein Rad warten müssen. Ihr Nachbar hat doch auch eins. Der wohne dann aber meist schon länger hier, sagt Weithmann. Das müsse man den Männern erst erklären. Die Frauen seien da verständnisvoller. Wünschen würden sich Helfer außerdem, dass mehr Bewohner mit anpacken. Mal ein Rad selber wechseln oder einfach nur zusehen. Damit sie wissen, wie viel Arbeit in ihrem fahrbaren Untersatz steckt. Dankbar, wenn das Fahrrad fertig ist, sind sie aber alle, sagt Max Weithmann. Besonders die Kinder. Dieser Jubel entlohnt dann auch die Helfer.

Die Fahrradwerkstatt braucht übrigens noch Helme, Schlösser und vor allem Kinderräder. Diese können beim Pförtner im Waldschluchtpfad 27 abgegeben werden. Wenn das nicht möglich ist, wird auch abgeholt. Einfach  0152/ 23 18 03 87 anrufen.

Ein nächstes Projekt für die Unterkunft hat das Willkommensbündnis bereits in der Pipeline. Der traurige Kinderspielplatz soll künftig schöner werden. Ein Architekt sitzt bereits ehrenamtlich über der Planung. Ein Flüchtling hat für ihn die Zeichnung angefertigt. Her sollen eine Dreifach-Schaukel, ein Klettergerüst, ein Trampolin, eine Rutsche und eine Sitzgruppe für die rund 230 Kids. Das Bündnis sammelt dafür Geldspenden. uk
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