Degewo startet Ideenwettbewerb zur Zukunft der Wiesenburg

Die alten Sammelhallen des Asylheims Wiesenburg wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. (Foto: Dirk Jericho)
 
Robert Bittner vertritt als Chef des Wiesenburg-Vereins die Interessen der Bewohner und Ateliermieter. Der Filmemacher wohnt selbst auf der Wiesenburg. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Wiesenburg |

Gesundbrunnen. Architekten, Denkmalschützer, Stadtplaner und Bezirkspolitiker wollen bis Ende April gemeinsam mit den Bewohnern und Künstlern der Wiesenburg ein Nutzungskonzept entwickeln.

Die Wiesenburg in der Wiesenstraße 55 ist ein einzigartiger Ort. In Zeiten, in denen an jeder Ecke neue Glaspaläste in den Himmel wachsen, sind die Backsteinruinen des früheren Obdachlosenasyls direkt an der Panke ein Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Große Bäume recken sich in den einstigen Schlafsälen zum Himmel, die seit dem Krieg keine Dächer mehr haben – ein Märchenwald in Ruinen. Bomben haben das Gelände im Zweiten Weltkrieg verwüstet; die Nazis hatten hier Reichsflaggen gedruckt und zuletzt Munition hergestellt.

Im früheren Frauenasyl haben sich Bildhauer, Metallbaukünstler, Maler oder Tänzer Ateliers eingerichtet, arbeiten hier seit Jahrzehnten. Die Wiesenburg-Ruinen sind bis heute beliebte Kulissen für Fotografen und Filmleute. Hier wurden etliche Streifen wie die „Blechtrommel" von Volker Schlöndorff oder Fritz Langs Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder" gedreht.

Angst vor Verdrängung

Seit die Wohnungsbaugesellschaft Degewo das 12 500 Quadratmeter große Areal Anfang 2015 offiziell übernommen hat, ist es mit der Ruhe vorbei. Das Land Berlin hatte 2012 nach jahrzehntelangem Rechtsstreit mit dem Berliner Asyl-Verein für Obdachlose das Wiesenburg-Areal bekommen. Die Degewo soll das Gelände denkmalgerecht sanieren und Wohnungen bauen. Die langjährigen Mieter des Wohnhauses und die Ateliermieter befürchten Verdrängung und drastische Mietsteigerungen. Sperrungen der Ateliers und des Künstlertreffs „UnbezahlBAR“ durch die Degewo im vergangenen Jahr haben diese Ängste beflügelt.

Jetzt verspricht die Degewo ein „offenes und transparentes Werkstattverfahren“. Experten sollen gemeinsam mit den zukünftigen Nutzern Ideen für die Wiesenburg entwickeln. „Wir wollen sie zu einem lebendigen Quartier machen, das sich nach außen öffnet und in dem Wohnen, Gewerbe, kulturelle und soziale Nutzungen integriert sind“, sagt Cordula Fay von der Degewo. Sie betont, dass sich die „ansässigen Bewohner, Künstler und Gewerbetreibenden in dem Verfahren einbringen können.“ Die Wiesenburger haben sich nach der Degewo-Übernahme im Verein „Die Wiesenburg“ organisiert.

Die Degewo will auf dem Areal auch Wohnhäuser bauen. Das Gelände soll zudem öffentlicher Kultur- und Kreativort werden. Das Quartiersmanagement Pankstraße, das bereits seit Jahren Bildungs- und Kunstprojekte mit den Wiesenburg-Leuten macht, ist wichtiger Ideengeber im Planungsprozess. Die Bezirksverordneten hatten erst im Dezember beschlossen, dass das „Gelände für das Gemeinwohl gesichert wird“. Die Bewohner und Ateliermieter sollen an allen Planungen beteiligt werden und langfristige Mietverträge bekommen, „die sich an den bestehenden Mietverträgen orientieren und die Eigenleistungen berücksichtigen“, heißt es in dem BVV-Beschluss. Im Forderungskatalog der BVV steht zum Beispiel, dass die ehemalige Sammelhalle „zu einem Veranstaltungssaal und offenem Begegnungsort für den Kiez“ ausgebaut wird. DJ
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