Ehrung für Filmpionier: Infostele für Karl Wolffsohn vor früherem Lichtburg-Kino in der Gartenstadt Atlantic

Die Skulptur Phantom der Lichtburg erinnert bereits an das legendäre Kino, das hier einst stand. (Foto: Dirk Jericho)
 
Nur eine kleine Gedenktafel am Sockel der Lichtburg-Skulptur informiert über den Kinopionier Karl Wolffsohn. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Lichtburg |

Gesundbrunnen. Vor der früheren Lichtburg in der Behmstraße Ecke Heidebrinker Straße soll im kommenden Mai eine Infostele aufgestellt werden, die an den Kinopionier und Betreiber des Großkinos Karl Wolffsohn erinnert. Der BVV-Kulturausschuss hat dafür am 11. November grünes Licht gegeben.

Phantom der Lichtburg heißt die Skulptur vor dem Lichtburg-Cafe gegenüber dem Gesundbrunnen-Center, die an den Amüsierpalast mit über 2000 Sitzplätzen, Tanz- und Festsälen, Bars und Kegelbahnen erinnert, der hier einmal stand. Die Lichtburg, 1929 von Rudolf Fränkel als Teil der Wohnanlage Gartenstadt Atlantic erbaut, war eines der bedeutendsten Kino- und Varietétheater Deutschlands. Der Komplex wurde 1970 abgerissen. Heute stehen hier Wohnhäuser.

Ab kommenden Jahr soll gegenüber der Lichtburg-Skulptur eine Stele aufgestellt werden, die über den deutschjüdischen Filmpionier Karl Wolffsohn informiert. Der Gründer und Eigentümer des Wochenblattes Lichtbildbühne war erster Pächter des Lichtburg-Kinos. Er besaß in ganz Deutschland zahlreiche Filmtheater und Varietés. Karl Wolffsohn war Mitbegründer und ab 1937 Eigentümer der seit 1995 denkmalgeschützten Gartenstadt Atlantic zwischen Heidebrinker Straße, Bellermannstraße und Behmstraße.

Der Historiker Michael Wolffsohn, Enkel von Karl Wolffsohn, hatte die Wohnanlage von seinem Vater Max geerbt und die 250 Wohnungen von 2001 bis 2005 saniert. Er hat te auch die Idee für die Infostele über seinen Großvater und trägt alle Kosten, wie es in der beschlossenen Ausschussempfehlung heißt. Der genaue Text für die beidseitig beschriebene Infotafel, den der Historiker dem Kulturausschuss vorgelegt hat, sei noch nicht beschlossen, sagte Vera Morgenstern (SPD) vom Kulturausschuss. Zunächst ging es um ein prinzipielles Ja zum Projekt. Mit beantragten Infotafeln tut sich der Bezirk immer schwer. Dass für den Lichtburg-Betreiber Karl Wolffsohn neben der vorhandenen Lichtburg-Skulptur dennoch eine zusätzliche Infotafel genehmigt wird, begründet Morgenstern damit, dass die bisherige Tafel an der Skulptur „nur rudimentäre Informationen enthält.“

Die neue Stele soll zum Geburtstag von Karl Wolffsohn (1881 bis 1957) am 16. Mai 2016 eingeweiht werden. Im Zuge der „Arisierung“ durch die Nazis wurde seit 1933 das gesamte Eigentum von Karl Wolffsohn „geraubt und nach 1945/49 in der Bundesrepublik und DDR nur minimal erstattet oder entschädigt“, heißt es in dem von Professor Michael Wolffsohn eingereichten Textentwurf für die Stele. Weil sich Karl Wolffsohn der „Arisierung“ von Lichtburg und Gartenstadt Atlantic durch die Nationalsozialisten widersetzte, kam er 1938 in Gestapo-Haft. Im März 1939 konnte er mit seiner Frau Recha nach Palästina fliehen, wo die Söhne Willy und Max schon warteten. „1949 kehrten Karl und Recha Wolffsohn nach allem und trotz allem nach Berlin zurück. Sein Sohn Max folgte mit seiner Familie 1954. Die Rückerstattung der Gartenstadt Atlantic erkämpften Karl und Max Wolffsohn von 1949 bis 1962 nicht mit, sondern eher gegen diverse Gerichte und Behörden“, steht im Textentwurf.

Der heutige Eigentümer der Gartenstadt engagiert sich sehr für den Kiez. Mikro-kosmos Gartenstadt Atlantic nennt Michael Wolffsohn das Quartier. Gemeinsam mit seiner Frau Rita hat er die Lichtburg-Stiftung gegründet und finanziert Kultur- und Bildungsprojekte vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Seit über zehn Jahren gibt es in der Gartenstadt Atlantic vier Lernwerkstätten, in denen Kinder naturwissenschaftliche Experimente im Physiklabor machen, Museen besuchen, Theater spielen oder Musikinstrumente im Klingenden Museum kennenlernen können. DJ
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