Mitte halbiert Zahl seiner WCs: Bezirksamt will 13 City-Toiletten nicht mehr haben

Die City-Toilette auf dem Leopoldplatz will der Bezirk behalten, 13 andere will er schließen. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Die vom Senat beschlossene Zentralisierung der Außenwerbung in der Stadt nutzt der Bezirk, um öffentliche Toilettenanlagen loszuwerden.

Der Senat will alle Werberechte im öffentlichen Raum neu ausschreiben. Die zahlreichen Werbeflächen auf City-Light-Postern, Litfaßsäulen und Uhren sollen zukünftig von einer Werbefirma bespielt werden, die dem Land Berlin dafür hohe Millionenbeträge bezahlt. Betroffen von der Neuordnung der Stadtwerbung ist auch der WC-Vertrag mit der Firma Wall AG. Der wurde zu Ende 2018 gekündigt. Wall betreibt seit 1993 öffentliche Toilettenanlagen, berlinweit insgesamt 270. Für die Anlagen inklusive der rund 170 sogenannten City-Toiletten – vollautomatisch mit 50-Cent-Einwurf – darf Wall Werbeanlagen betreiben und macht so mit dem Geschäft der Berliner millionenschwere Umsätze.

Das Bezirksamt hat dem Senat auf Anforderung seine öffentlichen Toiletten gemeldet und wie gewünscht die Frage beantwortet, welche aus seiner Sicht bleiben sollen. Das Ergebnis: 13 der 26 Toilettenstandorte können laut Bezirksamt weg, vor allem in Wedding. Das sind überwiegend Wall-WCs in reinen Wohngebieten, „die offenkundig nicht nachgefragt werden und somit entbehrlich sind“, so die zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) auf eine Anfrage der SPD-Fraktion. Die Bereitstellung von Werbestandorten sei für die aussortierten Toiletten, die „durchschnittlich weniger als 23 Nutzungen am Tag aufweisen“ nicht vertretbar.

Während andere Bezirke wie Neukölln um den Erhalt jeder Kloschüssel kämpfen und eher mehr öffentliche Stadtklos fordern, will Mitte den Deckel schließen. Die Ermittlung der Pinkelquote nutzt der Citybezirk, „um Werbeträger im öffentlichen Raum zu reduzieren“, so Weißler. Die Werbeanlagen „stellen eine erhebliche städtebauliche und denkmalschutzrechtliche Belastung dar“. Die sei nur vertretbar, wenn die Toiletten nachweislich genutzt würden, so die Stadträtin. Sie gibt zu bedenken, dass es auch öffentliche Toiletten in Einkaufszentren, Amtsgebäuden und auf Bahnhöfen gibt.

Vor allem Behinderten- und Seniorenvertretungen fordern den Erhalt öffentlicher Toilettenanlagen. Das Bezirksamt hat deshalb bereits im Sommer der Behindertenbeauftragten des Bezirks eine Liste mit den Örtchen gemailt, deren Schließung befürwortet wird. Laut Weißler gab es dazu keine Stellungnahme. Die Seniorenvertretung wurde zum Thema gar nicht befragt.

Laut Matthias Tang, Sprecher von Bausenatorin Katrin Lompscher, soll die Toilettenausschreibung im Februar starten. Wie Wall-Sprecherin Frauke Bank sagt, werde sich der Stadtmöblierer daran nicht beteiligen, „wenn Werbung als Refinanzierung nicht mehr zugelassen wird“. Sie betont das „Erfolgsmodell“ der City-Klos. Wall betreibe in Berlin nach Paris das „weltgrößte barrierefreie Toilettennetz“.

Folgende Standorte öffentlicher Wall-Toiletten sollen laut Bezirksamt weg: Ottostraße /Alt-Moabit (Moabit), Am Köllnischen Park (Mitte), Platz vor dem Neuen Tor (Mitte), Brunnenstraße/Stralsunder Straße (Gesundbrunnen), Edinburger Straße/Barfußstraße (Wedding), Humboldthain/Gustav-Meyer-Allee (Gesundbrunnen), zwei am Sonycenter (Tiergarten), Londoner Straße/Müllerstraße (Wedding), Osloer Straße/Prinzenallee (Gesundbrunnen), Pankstraße/Thurneysserstraße (Gesundbrunnen), Ungarnstraße/Indische Straße (Wedding) und Weddingplatz. DJ
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