Die Vögel sind zurück: Abgebrochene Skulpturen der Gleim-Oase sind wieder da

Die Vögel sind zurück. Kunstschmied Gösta Gablick (links) hat die Skulpturen restauriert. Zu verdanken ist dies vor allem dem bürgerschaftlichen Engagement der Gleim-Oasen-Paten Dunja Berndt und Holger Eckert. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Gleim-Oase |

Gesundbrunnen. Der einzigartige Minipark auf der Gleimstraße – die Gleim-Oase genannte Verkehrsinsel vorm Gleimtunnel – ist wieder komplett.

Die Kraft der Natur kann schon mal stählerne Vögel bezwingen. Die im Laufe der Jahre durch die aus Gitterrosten gefertigten Skulpturen gewachsenen Sträucher haben es geschafft, die Verankerung zu zerstören. Die Pfaffenhütchen, wie der Spindelstrauch auch heißt, waren durch die verzinkten Stahlvögel gewachsen und haben die Metallfüße abgerissen. Wie ein Chirurg hat Kunstschmied Gösta Gablick jetzt drei der insgesamt elf Vögel restauriert.

Eine Woche lang hat Gablick in seiner Rosenthaler Werkstatt gefeilt, gehämmert und geschweißt, um die 1,20 Meter großen Figuren wieder fit zu machen. Am 4. Mai wurden die drei Vögel auf die neuen Metallfüße geschweißt. Dunja Berndt und Holger Eckert, die sich seit 2010 ehrenamtlich als Paten um Berlins schönste und außergewöhnlichste Verkehrsinsel kümmern, hatten die zerbeulten Vögel aus dem Gestrüpp befreit und schon vor einiger Zeit in Sicherheit gebracht.

Bezahlt wurde die 2000 Euro teure Not-OP vom Bezirksamt, das die Patenschaftsinitiative „Gleim-Oase Skulpturenpark“ unterstützt. Die Verkehrsinsel gilt zwar als öffentliche Grünanlage, aber das Amt müsste die Reparatur des Kunstwerkes nicht finanzieren. Wie Alexander Kluge vom Grünflächenamt sagt, sei nicht ganz klar, wer eigentlich Eigentümer der Skulpturen ist. Die insgesamt 19 aus Gitterrosten gefertigten Figuren in Form von sitzenden Menschen, Vögeln und einer offenen Tormauer sind auch nirgendwo registriert. Dadurch sind bisher die Zuständigkeiten für Reparaturarbeiten nicht eindeutig geregelt, sagt Dunja Berndt, die gemeinsam mit Holger Eckert seit sieben Jahren die vergessene Insel pflegt. Die Initiative bekommt Spenden und auch mal Pflanzengeschenke von Anwohnern. 2014 gab es aus der bezirklichen „Conrad-Stiftung Bürger für Mitte“ 3000 Euro für Pflanzen und Reparaturen.

Der einzigartige Skulpturenpark ist ein Relikt des Kalten Krieges – und eine besonders schöne Folge der Mauer. Weil die Gleimstraße vor dem wegen der Grenze vermauerten Gleimtunnel ab 1961 Sackgasse war, entstand 1985 auf Weddinger Seite diese besondere Großstadtidylle. Die Wohnungsbaugesellschaft Degewo hatte die Idee, am Rand der Mauer, mitten auf der Straße diese Insel anzulegen. Der 68 Meter lange und acht Meter breite Skulpturenpark mit Hochbeeten, Sträuchern, geschwungenen Sitzgelegenheiten, zwei Schachtischen mit Stühlen und eben den stählernen Skulpturen war ein beliebter Treffpunkt für die Senioren aus dem Wohnheim direkt daneben. Das Seniorenheim ist mittlerweile abgerissen und musste einem Wohnungsneubau weichen. Die Skulpturen im Kunstpark stammen aus der Feder des Künstler- und Architektenpaares Carlini. Es wollte mit dieser Gestaltung das Zusammenwirken von Mensch, Natur und Technik darstellen.

Seit 1993 ist der Gleimtunnel wieder offen und die einstige Idylle wird umtost vom Großstadtverkehr. Im vergangenen Jahr war es noch einmal so wie früher, als Westberlin zu Ende und die Gleimstraße Sackgasse war: Nach dem Starkregen im Juli 2016 musste der Gleimtunnel gesperrt werden. Nach der Sanierung wurde er ein halbes Jahr später wieder freigegeben. Holger Eckert ist froh, dass für das neue Wohnviertel am Mauerpark direkt vor der Gleim-Oase ein Minikreisverkehr gebaut wurde. Der zwinge die Autofahrer zum Langsamfahren – das sei gut für alle, die gern auf der grünen Verkehrsinsel entspannen wollen. DJ
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.