Grundschule richtet eigene Lernwerkstatt ein

Willy, Kevin und Beni testen als Team in der Lernwerkstatt aus, wie sie ihre Kugelbahn noch verbessern können. (Foto: Sylvia Baumeister)

Gropiusstadt. Was machen die 44 Neuköllner Schulen mit den Mitteln aus dem Bonusprogramm für Brennpunktschulen? Für einen Teil ihres Budgets richtet sich die Hugo-Heimann-Schule beispielsweise eine Lernwerkstatt ein, in der Grundschüler selbstständig die Welt erforschen. Das fördert sie in vielfacher Hinsicht.

Es ist erst der zweite Tag einer Projektwoche an der Hugo-Heimann-Schule für die Schüler der Klasse 4b. In den beiden Räumen der neuen Lernwerkstatt haben aber bereits alle Schülerteams eine erste Aufgabe bewältigt: Aus fertigen Elementen, so genannten Cuborosteinen, haben sie selbstständig eine Bahn erbaut, in der eine Kugel durch Loopings, Abhänge, Kurven und Tunnel flitzt. "Die Kinder können hier alles, was sie wollen, ganz praktisch auf eigene Faust erforschen. Und das klappt schon ganz gut", findet Klassenlehrer Markus Reith. Weil die Lehrer aber nicht ihre typische Rolle ausfüllen, sondern nur einen moderierenden und helfenden Charakter haben, mussten alle zuvor selbst in den "Erfahrungsunterricht" mit eigenen Fragestellungen gehen.

Projektleiterin Karen Graf vom Verein Life, die die Lernwerkstatt nach und nach mit den verschiedensten Materialien einrichtet, hat die Funktion der Mediatorin übernommen und bildet die Lehrkräfte aus. Gleichzeitig ist sie in der Anfangszeit im Projektunterricht stets als Ansprechpartnerin für Lehrer und Schüler dabei. "Der Ansatz einer Lernwerkstatt ist ein ganz anderer als im normalen Unterricht. Die Kinder kommen mit eigenen Fragen herein, probieren alles selbst aus und machen eigene Erfahrungen", erklärt die Pädagogin. Im Anschluss reflektieren die Grundschüler noch einmal jeden Versuch in einem Tagebuch. Das alles hat noch sehr viel mehr positive Effekte, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Neben dem Erlernen physikalischer Gesetzmäßigkeiten erweitert die Teamarbeit wichtige weitere Kompetenzen, wie Sprache und schriftliches Ausdrucksvermögen, sowie konstruktives Denken. "Ich hoffe, dass bei den Schülern durch das entdeckende Lernen die Faszination für Naturwissenschaften steigt. Ganz sicher wird sich auch ihr soziales Verhalten verbessern", ist der Klassenlehrer überzeugt. Finanziert hat die Hugo-Heimann-Schule ihre Lernwerkstatt mit Mitteln aus dem Bonusprogramm für Schulen in sozialen Brennpunkten. Insgesamt 44 Schulen in Neukölln erhalten diese zusätzliche Finanzspritze, um ihre Schüler mit Mitteln ihrer Wahl an den Punkten verstärkt fördern zu können, wo es ihnen wichtig erscheint. Markus Reith: "Unser gesamtes Kollegium steht voll hinter der Lernwerkstatt, denn wir glauben an den Lernerfolg der Kinder."


Sylvia Baumeister / SB
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