Anne Sadowski steuert Solarfähren im Auftrag der BVG

Anne Sadowski ist eine von zwei Frauen im Linienverkehr der Fähren. | Foto: Ralf Drescher
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Grünau. Nachdem die Schüler eingestiegen sind, schaut Anne Sadowski noch einmal zum Steg, dann auf die Dahme. Sie schließt die Passagierrampe und legt ab. Mit der BVG-Fähre geht es auf kurzer Strecke von Wendenschloß nach Grünau.

An diesem Tag ist die 31-Jährige auf der F 12 unterwegs. Im 20-Minuten-Takt und in der Hauptverkehrszeit alle zehn Minuten fährt sie in drei Minuten die rund 300 Meter zwischen den beiden Anlegestegen. Das mit Sonnenenergie betriebene Fährboot fasst knapp 50 Fahrgäste. Jetzt gegen 14.30 Uhr sind es überwiegend Schüler, die nach dem Schulschluss nach Grünau und viele auch weiter zur S-Bahn wollen. Damit der Anschluss klappt, muss Anne Sadowski genau auf den Fahrplan achten.

Von Beruf ist die junge Frau, die in Köpenick das Licht der Welt erblickt hat und deren Lebensgefährte Eisbrecher für das Wasser- und Schifffahrtsamt fährt, Binnenschifferin. Dafür standen drei Jahre Ausbildung auf Rhein und Neckar auf dem Plan. „Auch wenn es in oft ganz schön hart war, wenn ich beim Laden der Fracht anpacken musste, ist das ein ganz normaler Beruf für Frauen. An der Berufsschule in Süddeutschland hatte ich mehrere Kolleginnen“, erzählt die Schiffsführerin.

Während ihrer Ausbildung war sie mit Frachtschiffen immer vier Wochen zwischen Stuttgart und Antwerpen unterwegs, hat Salz, Kies und Container transportiert. Nach vier Wochen an Bord gab es zwei Wochen Heimaturlaub. Lebensgefährte und Kind wären da auf Dauer zu kurz gekommen. „Deshalb habe ich eine Stelle bei einer brandenburgischen Reederei angenommen und bin mit Fahrgastschiffen fünf Jahre über den Müggelsee geschippert“, erzählt Anne Sadowski.

Seit Ende 2014 ist sie Mitarbeiterin der Weißen Flotte Stralsund, die im Auftrag der BVG fünf Fährlinien im Südosten der Stadt betreibt. Unterwegs ist die Schiffsführerin dabei im Wechsel auf allen vier mit Solarkatamaranen betriebenen Linien. „Am besten gefallen mir die Routen in Rahnsdorf und Schmöckwitz. In Rahnsdorf fährt man über Spree und eine Ecke vom Müggelsee, und in Schmöckwitz muss ich zum Schichtbeginn erst das Boot vom Anleger in Wendenschloss holen und dann über die morgendliche Dahme bis zum Einsatzort fahren“, berichtet Anne Sadowski.

Für ihren Stralsunder Arbeitgeber sind in Berlin zwei Fährfrauen tätig. „Wir haben selbst auch eine Schiffsführerin ausgebildet“, erklärt Knut Schäfer, der Geschäftsführer der Weißen Flotte Stralsund.

Die moderne Technik der 2014 in Dienst gestellten Solarfähren erleichtert die Arbeit ungemein. Die beiden Motoren wirken auf Schrauben, die komplett im Kreis gesteuert werden können, dadurch sind die Fahrzeuge sehr wendig. Für jede Schraube gibt es einen Bedienhebel, der auf den kleinsten Fingerdruck reagiert. Beim Anlegen hilft ein Bugstrahlruder und am Steg macht die Fähre mit einem Magneten fest. Zur Ausrüstung gehören weiterhin Radar, ein maritimes Navigationsgerät und zwei Funkgeräte. Auf einem läuft der aktuelle Schiffsfunk, auf dem die Berufsschifffahrt Brückendurchfahrten und das Passieren von Engstellen meldet.

Während die Berufskollegen eher rücksichtsvoll fahren, muss die Schiffsführerin Sportboote immer gut im Blick behalten. Immer mehr Boote dürfen ohne Führerschein gesteuert werden und deren Fahrer machen gelegentlich nicht vorhersehbare Manöver. Auch sonst kann man auf Berliner Gewässern oft Leichtsinn beobachten. „Zum Beispiel Badende, die in Baumschulenweg kurz vor einem Kohlenfrachter durch die Fahrrinne schwimmen“, erzählt Anne Sadowski. RD

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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